Pflege bei Herzinsuffizienz

26.01.2024

14 Minuten Lesedauer

Pflege bei Herzinsuffizienz

Das Herz ist eins unserer wichtigsten Organe. Was, wenn es nicht mehr richtig arbeitet? Worauf es in der Pflege bei Herzinsuffizienz ankommt und welche Rolle Angehörige spielen können.

Was ist Herzinsuffizienz?

Das Herz ist geschwächt und kann nicht mehr genug Blut durch den Körper pumpen, um Muskeln und Organe mit Sauerstoff zu versorgen. In Deutschland gehört Herzinsuffizienz zu den Volkskrankheiten – fast vier Millionen Menschen sind betroffen.

Zu den Symptomen gehören vor allem Luftnot (Dyspnoe) bei Belastung bzw. in fortgeschrittenen Fällen auch in Ruhe, Leistungsminderung, trockener Husten, nächtlicher Harndrang Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) in den Beinen und bei schwerer Herzschwäche auch im Bauchraum (Bauchwasser, „Aszites). Die Symptome können sich unterscheiden je nach Art der Herzinsuffizienz (z. B. Wasser im Bauchraum vor allem bei Rechts-Herzinsuffizienz, siehe unten).

Viele Ursachen können das Herz akut oder chronisch schwächen. Oft steckt eine Vorerkrankung des Herzens dahinter, wie Verkalkungen der Herzkranzgefäße, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Herzrhythmusstörungen. Auch Diabetes erhöht das Risiko für eine Herzinsuffizienz.

Es gibt verschiedene Arten der Herzschwäche. Eine akute Herzschwäche (infolge eines Herzinfarktes, einer schweren Herzrhythmusstörung oder einer anderen Erkrankung wie einer Lungenembolie) ist ein Notfall und muss in der Regel in der Klinik behandelt werden. Hier steht die Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung im Vordergrund. Eine chronische Herzinsuffizienz ist nicht heilbar, aber therapierbar.

Darüber hinaus unterscheidet man unter anderem zwischen Links-Herzinsuffizienz, Rechts-Herzinsuffizienz und Global-Herzinsuffizienz, die beide Herzhälften betrifft). Ist die linke Herzhälfte betroffen, wird das Blut nicht mehr effektiv in den Körperkreislauf gepumpt. Mögliche Folgen sind niedriger Blutdruck oder Atemnot. Es kann sich auch Flüssigkeit in die Lunge zurückstauen (Lungenödem) – ein absoluter Notfall. Ist die rechte Herzhälfte beeinträchtigt, staut sich das Blut in den Venen des Körperkreislaufs. Mögliche Folgen sind Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen oder im Bauchraum.

Therapie bei Herzinsuffizienz

Die Behandlung der Herzschwäche zielt darauf, das Herz zu entlasten und das Herz zu stärken. Dabei können verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen, die sich positiv auf die Herzfunktion, den Blutdruck oder Herzrhythmus auswirken. Wirkstoffe sind beispielsweise Betablocker, ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten oder Diuretika, wenn durch die Herzschwäche Flüssigkeitseinlagerungen entstanden sind.

Wichtig für die Therapie ist es auch, die direkte Ursache zu beheben, beispielsweise die Behandlung eines Bluthochdrucks. In Einzelfällen können spezielle Herzschrittmacher die Herzleistung verbessern. Als letzte Möglichkeit bleibt eine Herztransplantation.

Pflegebedürfnisse bei Herzinsuffizienz

Eine Herzschwäche wirkt sich unter Umständen auf das gesamte Leben der Betroffenen aus – immer abhängig vom Grad der Herzinsuffizienz. Die richtige Pflege, ärztliche Betreuung und familiäre Unterstützung können die Lebensqualität erheblich verbessern.

Abhängig vom Stadium der Erkrankung, sind Betroffene in ihrem Alltag eingeschränkt und können Aufgaben wie Körperpflege, Einkaufen oder Haushalt nicht mehr selbstständig erledigen. Ein wichtiger Schritt für die Pflege bei Herzinsuffizienz ist also, rechtzeitig einen Pflegegrad zu beantragen und zu prüfen, welche Unterstützungsleistungen infrage kommen. Je fortgeschrittener die Krankheit, desto eher ist Pflege vonnöten.

Die Pflegeplanung bei Herzinsuffizienz sollte fokussieren auf:

  • Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder stoppen
  • Mobilität so weit wie möglich erhalten
  • Aktivierende Pflege, also aktive Teilnahme des/der Patient:in an der Pflege
  • Seelische Belastungen berücksichtigen, z. B. Ängste vor Herzversagen oder Erstickung

Die konkrete Pflege bei Herzinsuffizienz ist immer abhängig vom individuellen Zustand und den jeweiligen Bedürfnissen. Was kann die betroffene Person noch selbst erledigen? Entscheidend ist hier die Leistungsfähigkeit des Herzens – Betroffene sollten ihre Kräfte nicht überschätzen.

Generell umfassen die pflegerischen Maßnahmen bei Herzinsuffizienz mehrere Aspekte:

  • Symptomkontrolle: wichtige Messwerte wie Blutdruck, Puls und Gewicht im Auge behalten. Am wichtigsten ist das regelmäßige Wiegen, um eine rasche Gewichtszunahme (in der Regel Folge von Flüssigkeitseinlagerungen) zu erkennen und gegenzusteuern
  • Alltagsaktivitäten: Herausforderungen, gewünschte Eigenständigkeit und Unterstützung gemeinsam besprechen und Lösungen finden
  • Gesunde Ernährung: ausgewogene, herzgesunde Ernährung sicherstellen
  • Wohnraumanpassung: Barrieren in Haus oder Wohnung beseitigen – Betroffene sollten sich so einfach wie möglich zuhause bewegen können, auch wenn sie unter Umständen körperlich eingeschränkt sind. Zudem hilft das zur Sturzprophylaxe (Verletzungen vermeiden).
  • Hautpflege: Besondere Aufmerksamkeit bei Wassereinlagerungen (Ödemen). Damit die Haut keinen Schaden nimmt, gilt es, die Therapie zu optimieren – dadurch nimmt man auch Druck aus dem Gewebe und von der Haut.
  • Medikamentengabe: regelmäßige und korrekte Einnahme von Medikamenten einhalten

Auf welchen Pflegemaßnahmen der Schwerpunkt liegt, ist vor allem von der Schwere der Erkrankung und der Art der Herzinsuffizienz abhängig. Beispielsweise liegt für die Pflege einer Rechts-Herzinsuffizienz ein größerer Fokus auf der Hautpflege wegen des hohen Risikos für Ödeme. Für die Pflege bei Links-Herzinsuffizienz sind eher die körperliche Verfassung und das Vermeiden von Atemnot ein wichtiger Aspekt.

Wenn die Herzinsuffizienz voranschreitet und das Herz Schwierigkeiten hat, ausreichend Blut zu pumpen, können Patient:innen bettlägerig werden. Sie müssen symptomgerecht gelagert werden; Dekubitusprophylaxe dabei ist wichtig. Die Herzbettlagerung, eine Oberkörperhochlagerung, kann bei Atembeschwerden Erleichterung bieten. Eine Rücksprache mit Arzt oder Ärztin ist wichtig, um die Therapie zu optimieren.

Leben mit Herzinsuffizienz

Menschen mit Herzschwäche sind meist körperlich eingeschränkt und weniger leistungsfähig als im gesunden Zustand. Einige Aufgaben des Alltags, zum Beispiel Einkaufen und Treppensteigen, können zu Herausforderungen werden. Tritt die Herzinsuffizienz bereits in jüngeren Jahren auf, stehen Betroffene vor Problemen, die eigentlich erst bei älteren Menschen auftreten. Die richtige, aktivierende Pflege kann hier einen großen Unterschied machen, um ein hohes Maß an Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten.

Neben den Pflegemaßnahmen für Herzinsuffizienz können Betroffene und Angehörige auf weitere Faktoren achten, die den Allgemeinzustand positiv beeinflussen:

  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol
  • Regelmäßige körperliche Betätigung (auch bei Herzinsuffizienz, in Absprache mit Arzt oder Ärztin und idealerweise in Herzsportgruppen)
  • Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker (Blutzucker regelmäßig nur bei Diabetes)
  • Pünktliche Einnahme der verordneten Medikamente
  • Regelmäßige Gewichtskontrolle zur Früherkennung von Flüssigkeitseinlagerungen
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Jährliche Grippeschutzimpfung

Herzinsuffizienz Pflege

Unterstützung im Alltag bei Herzschwäche

Angehörige können bei täglichen Aufgaben wie Körperpflege und Ankleiden unterstützen. Je nach Pflegegrad und persönlicher Situation kann es entlastend sein, einen professionellen Pflegedienst mit diesen Aufgaben zu betreuen.

Die gemeinsame Planung von Aktivitäten und Mahlzeiten kann den Alltag strukturieren und erleichtern. Gehen Sie gemeinsam mit der betroffenen Person den Ablauf eines typischen Tages durch, um mögliche Probleme und Herausforderungen, z. B. bei den Aufgaben oder innerhalb der Wohnung, zu identifizieren. Womöglich kommen Hilfsmittel als Unterstützung infrage, beispielsweise Bade- und Duschhilfen, Geräte zur Atemtherapie bei chronischem Sauerstoffmangel, Gehhilfen, ein Treppenlift oder ein Hausnotrufsystem. Für Wohnraumanpassungen kann es eine Unterstützung von bis zu 4000 Euro bei attestiertem Pflegegrad geben.

Da die Angst vor Atemnot und Erstickung eine große mentale Belastung sein kann, sollten Angehörige und Betroffene eine solche Situation gemeinsam üben. Wie verhält man sich, was passiert eigentlich und wie schafft man Abhilfe? Das durchzuspielen kann im Ernstfall helfen, aufkommende Panik einzudämmen. Generell wird bei akuter Atemnot der sogenannte Kutschersitz empfohlen: aufrecht hinsetzen, beispielsweise an die Bettkante, und die Beine nach unten hängen lassen. Der Oberkörper wird mit den Ellenbögen auf den Oberschenkeln abgestützt wird. Fenster öffnen – für Frischluft sorgen. Patient:in beruhigen und Notarzt (112) holen. Kontaktieren Sie in jedem Fall Arzt oder Ärztin!

Hilfreiche Ressourcen und Unterstützung

Wer herzkrank ist, ist nicht allein. Es gibt zahlreiche Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Informationen und Austausch für Betroffene und auch Angehörige bieten. Die nächste Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden Sie beispielswiese auf den Seiten der Deutschen Herzstiftung, bei der Patientenorganisation „Heartfailurematters“, der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie oder der Initiative „Herzbewusst“. Medizinische Fachkräfte können ebenfalls wertvolle Ratschläge geben.

Pflege bei Herzinsuffizienz – ein Fazit

Ein krankes Herz kann das ganze Leben verändern. Die Pflege bei Herzinsuffizienz erfordert deshalb eine ganzheitliche Betreuung, die körperliche und emotionale Aspekte berücksichtigt. Durch aktivierende Pflege sollte die Selbstständigkeit so gut wie möglich gefördert werden. Angehörige spielen eine wichtige Rolle im Unterstützungsnetzwerk und tragen dazu bei, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Häufig gestellte Fragen zur Pflege bei Herzinsuffizienz

Welche Pflegeprobleme können aufgrund einer Herzinsuffizienz entstehen?

Eine Herzschwäche wirkt sich unter Umständen auf das gesamte Leben der Betroffenen aus. Abhängig vom Stadium der Erkrankung, sind Betroffene in ihrem Alltag eingeschränkt und können Aufgaben wie Körperpflege, Einkaufen oder Haushalt nicht mehr selbstständig erledigen. Die Pflege richtet sich nach dem individuellen Zustand und den jeweiligen Bedürfnissen. Was kann die betroffene Person noch selbst erledigen? Entscheidend ist hier die Leistungsfähigkeit des Herzens – Betroffene sollten ihre Kräfte nicht überschätzen.

Welche Prophylaxen gibt es bei Herzinsuffizienz?

Maßnahmen zur Prophylaxe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen auch bei einer Herzinsuffizienz. Dazu gehören:

  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol
  • Regelmäßige körperliche Betätigung (auch bei Herzinsuffizienz, in Absprache mit Arzt oder Ärztin und idealerweise in Herzsportgruppen)
  • Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker (Blutzucker regelmäßig nur bei Diabetes)
  • Pünktliche Einnahme der verordneten Medikamente
  • Regelmäßige Gewichtskontrolle zur Früherkennung von Flüssigkeitseinlagerungen
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Jährliche Grippeschutzimpfung
Was ist wichtig bei Herzinsuffizienz?

Die Behandlung der Herzschwäche zielt darauf, das Herz zu entlasten und das Herz zu stärken. Eine Herzschwäche wirkt sich unter Umständen auf das gesamte Leben der Betroffenen aus – immer abhängig vom Grad der Herzinsuffizienz. Die richtige Pflege, ärztliche Betreuung und familiäre Unterstützung können die Lebensqualität erheblich verbessern.

Wie soll man die Beine lagern bei Herzinsuffizienz?

Die Beine sollten tief gelagert werden. Dazu kann sich die betroffene Person beispielsweise an die Bettkante setzen und die Beine hängen lassen. Bei dieser sogenannten Herzbettlagerung wird gleichzeitig der Oberkörper in eine aufrechte Position gebracht – das hilft bei akuten Atembeschwerden.

Wie wichtig ist Bewegung bei Herzinsuffizienz?

Regelmäßige körperliche Betätigung ist wichtig. Sie stärkt die Belastbarkeit des Körpers. Am besten in Absprache mit Arzt oder Ärztin und idealerweise in Herzsportgruppen.

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Zuletzt Aktualisiert am: 02.04.2024

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