zur Übersicht

Mehr Transparenz und gezielterer Einsatz von Fachkräften


„In der Digitalisierung sehe ich eine Riesenchance, die wertvolle und knappe Ressource Pflegefachkraft wesentlich gezielter einzusetzen. Auch können sie von Tätigkeiten entlastet werden, die nicht nur examinierten Mitarbeitern vorbehalten sind“, unterstrich Arno Schwalie, CEO von KORIAN Deutschland, beim SZ-Digital Health Kongress am 26. September in München. Mit diesem Statement betonte er, welche Chancen er durch die digitale Unterstützung von Pflegeprozessen und Arbeitsabläufen sieht, aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

„Ich denke, wir haben in der Pflege hier rund zwei Dekaden gegenüber anderen Branchen wie der Hotelerie und dem Einzelhandel aufzuholen“, so Schwalie, der seit 14 Monaten an der Spitze des größten deutschen Pflegeanbieters steht. Er kenne die Problematik dieses riesigen Changeprozesses aus der Hotelerie, sei aber überzeugt, dass am Ende „mehr Servicekultur, mehr Attraktivität für Mitarbeiter und damit eine deutlich gestiegene Akzeptanz der Pflege“ stehe. An der Podiumsdiskussion nahmen auch Dr. Peter Pick, Chef des MDK in Deutschland und Andreas Westerfellhaus, Pflegebeauftragter der Bundesregierung, teil.

Arno Schwalie mit Dr. Peter Pick, Vorsitzender des MDK in Deutschland sowie einer Start-up-Gründerin im Gespräch beim Digital-Health-Kongress der Süddeutschen Zeitung (Bildnachweis: Süddeutsche Zeitung)

„Wir testen bereits eine App, mit der wir die Familien intensiver am täglichen Leben in der Einrichtung beteiligen wollen“, so Schwalie bei der Diskussion weiter. Transparenz über das tägliche Geschehen und die Möglichkeit unkomplizierter Kommunikation zwischen Familien und Mitarbeitern sei ein erster Schritt, alltägliche digitale Medien ohne große rechtliche Hürden oder Genehmigungsprozesse zu nutzen und die Akzeptanz auf allen Seiten zu testen.

Arno Schwalie, CEO von Korian Deutschland während dem Digital-Health-Kongress

Gemeinsam betonten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, dass Digitalisierung in erster Linie der Versorgungsqualität der Menschen und ihrer Angehörigen dienen müsse. Pflege sei ein Beziehungsgeschehen, das durch Digitalisierung nur unterstützt, nicht aber ersetzt werden könne. Die Komplexität der unterschiedlichen Versorgungsformen und meist länderspezifischen Regulierungen sei eine besondere Herausforderung bei diesen Prozessen.

Mit KORIAN Solutions hatte die KORIAN Gruppe Anfang der Woche in Paris eine digitale Agentur gelauncht, die als interne „Task Force“ die Chancen der Digitalisierung für das gesamte europäische KORIAN-Netzwerk entwickeln soll. Noch in diesem Jahr ist die Eröffnung einer komplett vernetzten Modelleinrichtung geplant. Der Aufbau und Betrieb von Service-Plattformen zur häuslichen Versorgung ist mit strategischen Partnern ebenso geplant. Dazu gehören IT-Unternehmen aus der Pharmabranche (Pharmagest), der Tele-Medizin und Entwicklern aus dem IOT-Bereich. Sicherheit und Betreuung zu Hause, Vernetzung aller Akteure im Gesundheitsbereich und der Einsatz von lernenden Systemen sollen bei KORIAN Solutions zusammengebracht und über Webplattformen den Senioren und ihren Familien zur Verfügung gestellt werden.