06. Oktober 2026
Fast die Hälfte der Deutschen zweifelt daran, im Pflegefall gut versorgt zu sein
Europäische OpinionWay-Studie im Auftrag von Pflegeanbieter Clariane: Im Vergleich zu europäischen Nachbarn rechnen Deutsche im Alter am seltensten mit Unterstützung durch Familie oder Staat. Fast zwei Drittel sorgen sich, Kosten einer Langzeitpflege nicht tragen zu können. Während Deutsche im europäischen Vergleich früher Geld fürs Alter zurücklegen wollen, tun sie es in Wirklichkeit deutlich seltener als im EU-Schnitt. 84 Prozent der Deutschen sehen „gutes Altern“ als nationale Priorität.
Die Deutschen blicken zwar grundsätzlich positiv auf ihr Älterwerden, sind aber verunsichert, wenn es um ihre Versorgung im Alter geht: Im europäischen Vergleich rechnen sie am seltensten mit Hilfe aus der Familie und ebenso selten mit Unterstützung durch Staat, Kommunen oder Vereine. Das zeigt eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts OpinionWay im Auftrag von Clariane, dem führenden europäischen Anbieter für Pflege, medizinische Versorgung sowie Betreuung zu Hause. Zur Clariane-Familie gehört auch der führende Pflege- und Betreuungsanbieter Korian, der in Deutschland 242 Einrichtungen betreibt. Für die Studie wurden mehr als 12.000 Menschen in sechs EU-Ländern befragt, davon 2.000 in Deutschland.
Größte Sorge: Pflegeversorgung und ihre Finanzierung
Nur 44 Prozent der Deutschen sind zuversichtlich, im Pflegefall die notwendige Betreuung zu erhalten, etwa einen Platz in einer Pflegeeinrichtung oder bei einem ambulanten Pflegedienst – 48 Prozent hingegen sind es nicht. 61 Prozent sorgen sich, die Kosten einer Langzeitpflege finanziell nicht tragen zu können. Auch dem Gesundheitssystem trauen die Deutschen weniger zu als ihre Nachbarn: Nur 42 Prozent der Deutschen glauben, dass eine hochwertige Pflege für ältere Menschen gewährleistet ist. Im europäischen Durchschnitt sind es hingegen mehr als die Hälfte (52 Prozent).
Wunsch nach langem Leben: Deutschland im Mittelfeld
70 Prozent der Deutschen wollen der Studie zufolge so lange wie möglich leben – ein Wert, der unter dem EU-Schnitt von 73 Prozent liegt und deutlich hinter Ländern wie Spanien (87 Prozent) und Italien (80 Prozent) zurückbleibt. Frankreich (68 Prozent), Belgien (67 Prozent) und die Niederlande (66 Prozent) bewegen sich in ähnlichen Bereichen wie Deutschland. Fast einhellig – 86 Prozent – knüpfen die Deutschen den Wunsch nach einem langen Leben an die Bedingung, dabei gesund zu bleiben.
Familie spielt in Deutschland die geringste Rolle
Besonders auffällig: Nur 65 Prozent der Deutschen glauben, im Alter auf Unterstützung durch die Familie zählen zu können – der niedrigste Wert aller sechs untersuchten Länder. Zum Vergleich: In Spanien sind es 79 Prozent, in Belgien 72 Prozent, in Italien 70 Prozent, in Frankreich 69 Prozent und in den Niederlanden 67 Prozent. Gleichzeitig äußern die Deutschen seltener als der EU-Durchschnitt die Sorge, ihren Angehörigen im Alter zur Last zu fallen (58 zu 66 Prozent EU-weit) – ein Hinweis darauf, dass in Deutschland noch stärker auf institutionelle als auf familiäre Versorgung gesetzt wird.
Positives Bild vom Alter, aber Skepsis bei guter Gesundheit
Das Älterwerden an sich sehen viele Deutsche trotzdem positiv: Mit 59 Prozent blicken sie ihrem Alter zudem etwas gelassener entgegen als der europäische Durchschnitt (56 Prozent), bleiben aber hinter Spanien (66 Prozent) und den Niederlanden (63 Prozent) zurück. Nur 47 Prozent der Deutschen gehen davon aus, tatsächlich bei guter Gesundheit alt zu werden – ein ähnlich zurückhaltender Wert wie in Frankreich und Belgien (jeweils 45 Prozent), während in Spanien 59 Prozent optimistisch sind.
Prävention: Deutsche setzen früher an
In der Theorie wollen die Deutschen früher vorsorgen als ihre Nachbarn: Ideal wäre es aus ihrer Sicht, schon mit 32 Jahren Geld fürs Alter zurückzulegen (europäischer Schnitt: 38 Jahre) und mit 44 Jahren regelmäßig zur Vorsorge zu gehen (49 Jahre). In der Praxis sieht es anders aus. Vorsorgemaßnahmen nehmen bislang nur 45 Prozent der über 35-Jährigen wahr, deutlich weniger als im europäischen Schnitt (54 Prozent). Geld fürs Alter legen 57 Prozent zurück (61 Prozent).
Politischer Handlungsauftrag
Für 84 Prozent der Deutschen sollte es eine nationale Priorität sein, der gesamten Bevölkerung ein gutes Altern zu ermöglichen. 64 Prozent sind zudem der Meinung, ältere Menschen würden in der Gesellschaft geringgeschätzt.
Zur Studie
Die OpinionWay-Studie im Auftrag von Clariane wurde vom 21. April bis 7. Mai 2026 als Online-Befragung (CAWI) durchgeführt. Befragt wurden 12.078 Personen ab 18 Jahren in sechs EU-Staaten (Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Niederlande, Spanien), davon 2.015 in Deutschland. Die Stichprobe ist nach dem Quotenverfahren repräsentativ für die jeweilige Bevölkerung ab 18 Jahren. Die vollständige Studie ist unter clariane.com in der Rubrik „Gesundheit und Langlebigkeit“ verfügbar.
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