Pflegegrad 1 ist die niedrigste Einstufung und markiert den Einstieg in die Pflegeversorgung. Grundsätzlich kann die Pflegebedürftigkeit eines Menschen plötzlich oder schleichend eintreten. Dabei sind es oft gerade die Anfangsstadien, in denen gezielte Unterstützung entscheidend ist. Und hier bietet Pflegegrad 1 wertvolle Hilfen für Betroffene und ihre Angehörigen.
In diesem Artikel erfahren Sie, was Pflegegrad 1 bedeutet, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, welche Leistungen Betroffenen zustehen und wie Sie am besten mit dieser Situation umgehen können.
Pflegegrad 1: Definition
Pflegegrad 1 ist die niedrigste Stufe im deutschen Pflegesystem und beschreibt laut Sozialgesetzbuch Buch XI § 15 Abs. 2 „geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“[1] von Pflegebedürftigen. Pflegegrad 1 wird Menschen zuerkannt, die geringe Beeinträchtigungen ihrer Selbstständigkeit oder Fähigkeiten haben und deshalb in bestimmten Bereichen des Alltags Unterstützung benötigen.
Das frühere System der Pflegestufen
Bis 2016 gab es die Pflegestufe 1. Im System der Pflegestufen wurde der Unterstützungsbedarf in drei Abstufungen erfasst, dabei wurden aber ausschließlich alters- oder krankheitsbedingte körperliche Einschränkungen betrachtet. Mit dem sogenannten Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II)[2] hat der Gesetzgeber zum 1. Januar 2017 das neue System der fünf Pflegegrade eingeführt, das die Lebenssituation pflegebedürftiger Personen umfassender einschätzt.
Definition: das bedeutet Pflegegrad 1
Pflegegrad 1 dient als Einstieg in die Pflegeversorgung und zielt darauf ab, frühzeitig Unterstützung zu bieten, um die Lebensqualität zu steigern und eine Verschlimmerung der Situation zu verhindern. Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1 stehen verschiedene Leistungen zu, unter anderem der monatliche Entlastungsbetrag.
Pflegegrad 1: Voraussetzungen
Um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, muss bei der Pflegekasse ein Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit gestellt werden. Auf Basis eines detaillierten Fragenkatalogs ermittelt der Medizinische Dienst (MD) dann eine Anzahl von Punkten, deren Summe einem Pflegegrad entspricht. Bei privatversicherten Personen wird die Begutachtung von dem Dienstleister Medicproof durchgeführt.
Pflegegrad beantragen – so geht’s
So erhalten Pflegebedürftige den Pflegegrad 1:
- Antrag bei der zuständigen Pflegekasse stellen
- Pflegekasse schickt den Medizinischen Dienst zur Begutachtung
- Mit dem Vorliegen des Pflegegrads 1 können Leistungen wie der Entlastungsbeitrag oder ein Zuschuss zur vollstationären Pflege etc. in Anspruch genommen werden.
Bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst müssen für die Zuweisung zu Pflegegrad 1 zwischen 12,5 und unter 27 Punkten ermittelt werden. Dafür betrachten die Gutachter:innen bestimmte Kriterien in den folgenden sechs Bereichen und bewerten, wie groß die Einschränkungen der Betroffenen sind:
- Mobilität: Schwierigkeiten beim Gehen, Stehen oder Fortbewegen
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Orientierung oder der Kommunikation
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: auffälliges Verhalten, emotionale Belastungen oder psychische Erkrankungen
- Selbstversorgung: Probleme bei der Körperpflege, beim An- und Ausziehen oder bei der Nahrungsaufnahme
- Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen: Schwierigkeiten bei der Medikamenteneinnahme oder Umsetzung von Therapieanweisungen
- Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Schwierigkeiten bei der Organisation des Alltags oder der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte
Berechnung des Pflegegrads: Fallbeispiel
Nach einem Bandscheibenvorfall ist Jürgen M., 72, in der Beweglichkeit eingeschränkt. Vor allem Sitzen fällt ihm schwer. Den Positionswechsel im Bett kriegt er noch gut hin (selbstständig = 0 Punkte), aber Umsetzen und Halten einer stabilen Sitzposition sind schwieriger (beides überwiegend unselbstständig = 2 x 2 Punkte). Das sind 4 Punkte im Modul 1 Mobilität.
Außerdem kann er sich durch den Bandscheibenvorfall auch nicht mehr richtig bücken und sich deshalb nicht am ganzen Körper selbst waschen. Dafür erhält er 2 Punkte im Modul 4 Selbstversorgung. Die Punkte jedes Moduls werden verschieden gewichtet (z. B. Modul 1 mit 10%, Modul 4 mit 40%) und zu einer Gesamtzahl addiert. Liegt er in Summe über 12,5 Punkten, erhält Jürgen M. einen Pflegegrad.
So funktioniert die Einstufung in Pflegegrade
Pflegegrad 1: Leistungen und Geld
Menschen mit Pflegegrad 1 können ihren Alltag in der Regel noch sehr selbstständig meistern. Deshalb haben sie keinen Anspruch auf Pflegegeld bei der Pflege durch Angehörige oder auf Pflegesachleistungen bei der Versorgung durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst. Dennoch stehen den Betroffenen einige Leistungen zu, um sie im Alltag zu entlasten und ihre Selbstständigkeit zu fördern. Menschen mit anerkanntem Pflegegrad 1 erhalten außerdem kostenlose Beratungstermine; ihre Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegepersonen haben Anspruch auf kostenlose Pflegekurse.
Die Geldleistungen bei Pflegegrad 1 im Überblick
Folgende Geldleistungen sind bei Pflegegrad 1 möglich (Stand 1.1.2026) [3]:
| Leistung | Höhe (bei Pflegegrad 1) |
| Entlastungsbetrag | 131 Euro monatlich |
| Pflegehilfsmittel zum Verbrauch | bis zu 42 Euro monatlich |
| Wohnraumanpassung | bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme |
| Wohngruppenzuschuss | 224 Euro monatlich |
| Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) | 40 Euro + Anleitung |
| Vollstationäre Pflege im Heim | 131 Euro monatlich |
| Zuschuss zum Hausnotruf | 27 Euro monatlich (seit 1.4.2026) |
Checkliste: Was tun nach Pflegegrad-1-Bescheid?
Nach der Begutachtung des pflegebedürftigen Menschen durch den Medizinischen Dienst beziehungsweise Medicproof erhalten Sie die Einstufung von der Pflegeversicherung.
- Wurde die gewünschte Einstufung in Pflegegrad 1 bestätigt? Dann stehen der pflegebedürftigen Person verschiedene Leistungen zu. Darunter sind der Entlastungsbetrag, der frei verwendet werden kann, und ein Zuschuss zur sogenannten Wohnraumanpassung, mit dem zum Beispiel ein Geländer an der Dusche oder ein Treppenlift eingebaut werden kann.
- Wurde die gewünschte Einstufung in Pflegegrad 1 abgelehnt? Dann können Sie dagegen Widerspruch einlegen. Wie Sie dabei vorgehen müssen, lesen Sie hier.
Widerspruch Pflegegrad – Fristen, Begründung, Muster
Pflegegrad 1: Tipps für den Umgang
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- Frühzeitige Beantragung: Auch bei geringem Pflegebedarf ist es wichtig, frühzeitig eine Einstufung in den Pflegegrad zu beantragen, also sobald sich erste Beeinträchtigungen zeigen. So erhalten Sie bei Bedarf rechtzeitig Unterstützung. Was Sie für die Antragsstellung wissen müssen, erfahren Sie auf unserer Übersicht zu Pflegegraden.
- Einbeziehung von Angehörigen: Pflegegrad 1 betrifft nicht nur die pflegebedürftige Person, sondern indirekt auch deren Angehörige und andere nahestehende Personen – weil diese oft helfen müssen, um die pflegebedürftige Person im Alltag zu unterstützen. Sprechen Sie offen über die Situation und planen Sie gemeinsam, wie Sie die Betreuung am besten organisieren möchten und wer welche Aufgaben übernehmen kann. Hier mehr zur Belastung pflegender Angehöriger
- Beibehaltung von Routinen: Die Aufrechterhaltung von gewohnten Abläufen im Alltag kann Sicherheit schaffen. Falls Routinen bislang fehlten, helfen strukturierte Tagesabläufe beim Übergang in die Pflegeversorgung.
- Nutzung von Hilfsmitteln: Praktische Hilfsmittel und Technologien können den Alltag erheblich erleichtern und die Selbstständigkeit fördern – zum Beispiel rutschfeste Unterlagen, Haltegriffe im Badezimmer oder digitale Kommunikationshilfen und Apps.
- Soziale Kontakte pflegen: Freundschaften, Hobbys und der Austausch mit anderen sind jetzt besonders wichtig. Das fördert nicht nur die geistige und emotionale Gesundheit, sondern kann auch das Gefühl von Isolation verringern und die Lebensqualität steigern.
- Aktive Planung für die Zukunft: Pflegegrad 1 ist oft nur eine Momentaufnahme und der Pflegebedarf kann sich im Laufe der Zeit ändern. Deshalb lohnt es sich, vorausschauend zu planen und in regelmäßigem Austausch mit den betreuenden Ärzt:innen, Pflegediensten und Pflegekasse zu bleiben.
- Anlaufstellen finden: Um die passende Unterstützung für pflegebedürftige Menschen zu finden, gibt es hier eine Darstellung von Informations- und Beratungsangeboten.
Pflegegrad 1 – ein Fazit
Pflegegrad 1 mag zwar die niedrigste Einstufung im Pflegesystem sein, er bietet dennoch wertvolle Unterstützung für Menschen mit leichtem Pflegebedarf. Die angebotenen Leistungen können die Situation von Betroffenen und Angehörigen erleichtern. Wichtig ist, frühzeitig Unterstützung zu beantragen, sich aktiv mit den bestehenden Möglichkeiten auseinanderzusetzen und offen mit allen Beteiligten zu kommunizieren.
Häufig gestellte Fragen zu Pflegegrad 1
Pflegegrad 1 ist die niedrigste Stufe im deutschen Pflegesystem und beschreibt die „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“ von Pflegebedürftigen.
Pflegegrad 1 bekommt, wer bei der Pflegebegutachtung auf Grundlage des sogenannten Neuen Begutachtungsassessments (NBA) zwischen 12,5 und unter 27 Punkte erhält. Der Pflegegrad 1 bestätigt geringe Beeinträchtigungen.
Versicherte mit anerkanntem Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Geldleistungen wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Zuschüsse zur Verhinderungs-, Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege und auch nicht zur vollstationären Pflege. Sie erhalten aber 131 Euro Entlastungsbetrag pro Monat (Stand: 1.1.2026) für die Erstattung von Betreuungs- und Entlastungsleistungen sowie Zuschüsse zum Hausnotruf, für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, zur Wohnraumanpassung sowie eine Wohngruppenförderung.
Nein. Erst ab Pflegegrad 2 kann man Kurzzeitpflege als Leistung der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen. Pflegebedürftige Personen mit dem Pflegegrad 1 können ausschließlich den Entlastungsbetrag (bis zu 131 Euro monatlich) für Leistungen der Kurzzeitpflege einsetzen.
Quellen
[1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (o.D.): Sozialgesetzbuch (SGB), Elftes Buch (XI), § 15 SGB XI Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit, Begutachtungsinstrument. Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__15.html [abgerufen am 29.09.2026]
[2] Bundesministerium für Gesundheit (o.D.): Zweites Pflegestärkungsgesetz (PSG II). Online verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/pflegestaerkungsgesetz-zweites-psg-ii [abgerufen am 29.09.2026]
[3] Bundesministerium für Gesundheit (o.D.): Leistungsbeträge in der sozialen Pflegeversicherung. Online verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/P/Pflegeversicherung_Leistungsbeitraege/Uebersicht_Leistungsbetraege_2026.pdf [abgerufen am 29.09.2026]
Weitere Quellen:
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (o.D.): Sozialgesetzbuch (SGB), Elftes Buch (XI), § 15 SGB XI Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit, Begutachtungsinstrument. Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__15.html [abgerufen am 29.09.2026]
Bundesministerium für Gesundheit (o.D.): Leistungsbeträge in der sozialen Pflegeversicherung. Online verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/P/Pflegeversicherung_Leistungsbeitraege/Uebersicht_Leistungsbetraege_2026.pdf [abgerufen am 29.09.2026]
Bundesministerium für Gesundheit (o.D.): Zweites Pflegestärkungsgesetz (PSG II). Online verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/pflegestaerkungsgesetz-zweites-psg-ii [abgerufen am 29.09.2026]
Bundesministerium für Gesundheit (o.D.): Antragsverfahren. Online verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/pflegebeduerftig-was-nun.html [abgerufen am 29.09.2026]
pflege.de (02.10.2025): Pflegegrad 1: Geld, Leistungen und Voraussetzungen. Online verfügbar unter: https://www.pflege.de/pflegekasse-pflegerecht/pflegegrade/pflegegrad-1/ [abgerufen am 29.09.2026]
AOK (24.10.2025): Pflegegrad: Leistungen, Höherstufung, Widerspruch. Online verfügbar unter: https://www.aok.de/pk/pflege-im-alltag/pflegegrade/ [abgerufen am 29.09.2026]
Verbraucherzentrale (11.02.1026): Was Pflegegrade bedeuten und wie die Einstufung funktioniert. Online verfügbar unter: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflegeantrag-und-leistungen/was-pflegegrade-bedeuten-und-wie-die-einstufung-funktioniert-13318 [abgerufen am 29.09.2026]
pflege.de (21.09.2026): Pflegegrad 1: Geld, Leistungen und Voraussetzungen. Online verfügbar unter: https://www.pflege.de/pflegekasse-pflegerecht/pflegegrade/pflegegrad-1/?teaser_id=9558&teaser_position=Content&post_id=search [abgerufen am 29.09.2026]