Eine Querschnittlähmung erschüttert das Leben von Betroffenen auf dramatische Weise. Sie entsteht, wenn das Rückenmark durch eine Verletzung oder Erkrankung in seinem Verlauf beschädigt wird. Dadurch werden Nervenbahnen unterbrochen, die vom Gehirn ausgehen und zum Beispiel die Muskeln in den Beinen ansteuern. Die Auswirkungen auf den Alltag sind häufig gravierend.
Wenn Betroffene nicht mehr gehen und eventuell auch ihre Arme nicht mehr bewegen können, erfordert das eine spezialisierte Pflege und Unterstützung. Der pflegerische Bedarf steigt, je höher die Funktionseinschränkungen sind – insbesondere, wenn durch eine Verletzung im höheren Bereich der Wirbelsäule auch die Bewegung der Arme betroffen ist. Hier erfahren Sie mehr über die Ursachen, Therapien und Pflege bei einer Querschnittlähmung.
Was ist eine Querschnittslähmung?
Ein Verkehrsunfall, ein unglücklicher Sturz: Eine Querschnittlähmung kann jeden treffen. Sie verändert das Leben fundamental – von einem Moment auf den anderen.
Bei Unfällen oder Stürzen kann es zu einer Verletzung von Nervenbahnen im Rückenmark kommen. Drei Arten von Nerven können betroffen sein:
- motorische Nerven, die für die Bewegung zuständig sind
- sensible Nerven für die Wahrnehmung etwa von Berührungen
- autonome oder vegetative Nerven, über die Informationen an das Herz-Kreislauf-System und die inneren Organe weitergeleitet werden. Durch sie werden zum Beispiel Atmung und Verdauung geregelt.
Durch die Verletzung des Rückenmarks können die betroffenen Nervenzellen die jeweiligen Reize nicht mehr weiterleiten. Die Folge sind zum Beispiel Lähmungen und Ausfälle weiterer Körperfunktionen.
Arten der Querschnittlähmung
Wie schwerwiegend eine Querschnittlähmung ist, hängt davon ab, in welcher Höhe und in welchem Ausmaß das Rückenmark geschädigt ist. Jede Stelle des Rückenmarks kann betroffen sein. Die Medizin unterscheidet zwischen Paraplegie und Tetraplegie (Plegie, abgeleitet vom griechischen „plege“, Schlag, Lähmung), kompletter und inkompletter Lähmung:
- Paraplegie: Dabei können Betroffene die Beine nicht mehr bewegen, Arme und Oberkörper schon. Die Verletzung liegt in diesem Fall im Bereich von Brustwirbel, Lendenwirbel oder Kreuzbein. Man spricht auch von einem tiefen Querschnitt.
- Tetraplegie: Bei dieser schwersten Form der Querschnittlähmung sind Arme und Beine komplett gelähmt. Aufgrund einer Verletzung des Rückenmarks im Halswirbelbereich kann die Muskulatur nicht mehr angespannt und Arme und Beine bewegt werden. Man spricht von einem hohen Querschnitt.
- Plegie: Oberbegriff für eine komplette Lähmung eines Muskels. Je nachdem, wo das Rückenmark geschädigt ist, können Arme, Beine und oder Rumpf zur Gänze gelähmt sein, Muskelkraft und Empfindungen fehlen. Körperfunktionen wie die Entleerung von Darm und Blase können ebenfalls beeinträchtigt sein.
- Parese: Dabei ist die Muskelfunktion nur teilweise eingeschränkt beziehungsweise die Kraft verringert. Eine Hemiparese bezeichnet eine halbseitige Lähmung oder Beeinträchtigung der Muskulatur, also zum Beispiel des linken Armes und Beines. Eine Hemiparese kann zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder einer inkompletten Rückenmarksdurchtrennung (inkompletter Querschnitt) auftreten.
Querschnittlähmung in Zahlen
In Deutschland leben rund 140.000 Menschen[1] mit einer Querschnittlähmung, weltweit sind es etwa 2,7 Millionen[2]. Männer sind mit einem Anteil von 70 Prozent deutlich öfter betroffen als Frauen. Pro Jahr kommen circa 2.300 neu erworbene Rückenmarksschädigungen hinzu.[3]
Ursachen von Querschnittslähmung
Zu etwa 55 Prozent sind Querschnittlähmungen von Krankheiten, zu 45 Prozent von Unfällen verursacht[4]. Häufig führen traumatische Verletzungen zu Querschnittlähmungen, also zum Beispiel Verkehrsunfälle, Stürze, Sport- oder Badeunfälle. Auch ein Schlaganfall kann die Blutversorgung des Rückenmarks unterbrechen und Lähmungen hervorrufen.
Weitere krankheitsbedingte Ursachen sind zum Beispiel:
- Tumore beziehungsweise Metastasen in der Wirbelsäule oder dem Rückenmark
- Durchblutungsstörungen des Rückenmarks
- Multiple Sklerose
- Entzündungen des Rückenmarks durch Infektionen
- Bandscheibenvorfälle
- Wirbelbrüche durch Osteoporose
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Medizinische Behandlung und Therapien
Nicht immer ist das Rückenmark bei einer Querschnittlähmung unwiderruflich verletzt. Manche Ursachen können behoben werden, Entzündungen oder Schwellungen können sich zurückbilden. Erhaltene Nervenstrukturen übernehmen teilweise Aufgaben der geschädigten Nerven. Über Monate bis Jahre hinweg kann also bei einem akuten Querschnitt unter Umständen noch Funktion zurückgewonnen werden. Teilweise bleiben Beschwerden jedoch dauerhaft bestehen. Forschende arbeiten daran, Querschnittlähmungen in Zukunft heilen zu können. Dazu stimulieren sie bestimmte Rückenmarksnerven mit elektrischen Impulsen. Ziel ist es, dass manche Patient:innen (nach sehr viel Übung) wieder stehen oder sogar gehen können. Trotz hoffnungsvoller Ergebnisse steht die Forschung erst noch am Anfang.
Die wichtigsten Bausteine einer Therapie bei Querschnittlähmung sind:
In der Akutphase versuchen Ärzt:innen durch intensivmedizinische Betreuung zunächst, die Situation zu stabilisieren. Bei vielen Patientinnen und Patienten ist eine Operation notwendig, um das Rückenmark etwa nach einem Bandscheibenvorfall zu entlasten. Es gibt bereits mehrere Ansätze für neuroregenerative Therapien in der Frühphase, die sich in Erprobung befinden.
Bei der weiteren Therapie von Menschen mit einer Querschnittlähmung geht es in erster Linie darum, die Lebensqualität zu verbessern und mögliche Komplikationen zu reduzieren. Das wichtigste Therapieziel ist eine bestmögliche Mobilität und Selbstständigkeit. Bei inkompletten Lähmungen wird versucht, die Gehfähigkeit zu stärken. Viele Betroffene sind allerdings auf einen Rollstuhl angewiesen.
Bei Menschen, die Arme und Hände nur eingeschränkt nutzen können, wird während der Reha meist eine sogenannte Funktionshand antrainiert. Durch gezielte Lagerungstechniken, Muskeltraining und mit Hilfe von Schienen und Bändern kann die Hand wichtige Funktionen wiedererlangen.
Physio- und Ergotherapie sollen die verbliebenen motorischen Fähigkeiten stärken, die Beweglichkeit erhalten und Komplikationen wie Spastiken vorbeugen.
Atemtherapie ist bei allen tetra- und bestimmten paraplegischen Patienten notwendig, damit sie richtig atmen und husten können. Je stärker die Lähmung, desto stärker ist die Atemmuskulatur eingeschränkt. Fällt das Zwerchfell als wichtigster Atemmuskel aus, kann eine vorübergehende oder auch dauerhafte Beatmung notwendig werden.
Eine frühzeitige, individuell angepasste und multimodale Schmerztherapie soll verhindern, dass insbesondere Nervenschmerzen chronisch werden.
Viele Menschen mit Querschnittlähmung haben keine vollständige Kontrolle mehr über Blase und Darm. Mit der richtigen Unterstützung und etwas Übung können viele Betroffene die notwendigen Maßnahmen jedoch gut selbst erlernen, zum Beispiel die regelmäßige Blasenentleerung mithilfe eines Katheters. Strukturierte Behandlungs- und Pflegekonzepte für die urologische Betreuung haben in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität Querschnittgelähmter geführt. Ein gutes Blasen- und Darmmanagement ist daher ein zentraler Baustein in der Langzeitpflege.
Menschen mit einer Querschnittlähmung entwickeln häufiger eine Depression. Im ersten Jahr nach dem Eintritt der Lähmung betrifft das Studien zufolge 20 bis 40 Prozent der Patient:innen[5]. Psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie können Betroffenen bei Bedarf helfen, auch Antidepressiva sind eine Möglichkeit.
Bei der funktionellen Elektrostimulation werden die Nerven außerhalb des Rückenmarks und des Gehirns elektrisch stimuliert. Eine Muskelstimulation wird zu Beginn der Rehabilitation eingesetzt, um die Bewegung von Muskeln zu fördern, die sich nicht oder nur „flackernd“ bewegen. Zudem zielt sie darauf ab, die Muskulatur zu kräftigen, Spastiken zu reduzieren und die Blutzirkulation zu verbessern.
Bei Hemiparese, also der einseitigen Lähmung, ist unbedingt zu beachten: Alle Aktivitäten sollten immer zuerst die gelähmte Seite einbeziehen beziehungsweise von dort ausgehen. Es besteht die Gefahr, dass die gelähmte Körperseite vernachlässigt wird, deswegen sollten auch äußere Reize – wie das persönliche Ansprechen und selbst Bilder an der Wand – immer an die betroffene Körperseite gerichtet sein, damit die Wahrnehmung für diese Seite angeregt wird.
Pflegebedürfnisse bei Querschnittlähmung
Eine Querschnittlähmung bedeutet weit mehr, als nur nicht gehen zu können. Die Pflegebedürfnisse von Menschen mit Querschnittlähmung sind häufig komplex, insbesondere die Pflege bei Tetraplegie. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Herausforderungen und Pflegemaßnahmen.
Pflege bei Tetraplegie
Betroffene dieser schwersten Form der Querschnittlähmung sind auf umfassende Pflege angewiesen. Weil Arme und Beine komplett gelähmt sind, brauchen sie im Grunde bei allen Alltagstätigkeiten Unterstützung. Und da ihnen in der Regel auch das Empfinden für Schmerz, Druck oder Temperatur fehlt, müssen Pflegepersonen hier im besonderen Maße Acht geben auf die Lagerung, die Umgebungsbedingungen und insgesamt das körperliche Wohlergehen der Patient:innen.
Bewegungseinschränkung von Gelenken (Kontrakturen)
Wichtig in der Pflege ist die Prävention von Kontrakturen. Unter Kontrakturen versteht man ungewollte und dauerhafte Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern, die zu Bewegungseinschränkungen der Gelenke und Gelenkversteifung führen können.
Das wichtigste Mittel gegen Kontrakturen ist Bewegung: Dafür müssen mindestens zweimal am Tag alle Gelenke bewegt und Muskeln gedehnt werden. Dabei ist große Vorsicht angebracht, da die Betroffenen keine oder nur geringe Schmerzen verspüren und somit leicht die Bewegungsgrenze überschritten werden kann. Mitunter können Hilfsmittel wie Orthesen die Gelenke unterstützen. Sie halten etwa Handgelenk und Finger in der gewünschten Ruheposition und verhindern so die Gefahr einer Kontraktur.
Schluckstörungen
Gelähmte Menschen leiden manchmal auch unter Schluckstörungen, die die Nahrungsaufnahme erschweren. Für das Einnehmen der Mahlzeiten sollte daher genügend Zeit eingeplant werden. Bei Problemen haben sich breiartige und nicht krümelnde Speisen bewährt. Feste und flüssige Nahrungsmittel sollten in einem Gericht besser nicht vermischt werden. Wenn eine Schluckstörung vorliegt, muss individuell der Verlauf beobachtet und die Art der Nahrungszufuhr entsprechend angepasst werden, damit keine Mangelernährung entsteht.[6]
Pflege bei Schluckstörung (Dysphagie)
Druckgeschwüre
Querschnittgelähmte spüren teilweise keine Schmerzen, wenn sie zu lange in derselben Position liegen oder sitzen – können ihre Position aber auch nicht eigenständig verändern. Wenn über einen längeren Zeitraum zu viel Gewicht auf Körperstellen lastet, treten Durchblutungsstörungen auf. Dadurch kann es zu Rötungen und Wunden kommen, im späteren Verlauf kann auch Haut- und Muskelgewebe absterben. Reibung, Feuchtigkeit und Wärme begünstigen die Entstehung von Druckgeschwüren (Dekubitus). Häufig entwickeln sie sich im Bereich des Kreuzbeins, der Fersen, Ellenbogen, Schulterblätter und am Hinterkopf.
Um Druckstellen zu vermeiden, ist es wichtig, Patient:innen regelmäßig zu mobilisieren und umzulagern. Zudem muss die Haut täglich kontrolliert werden. Erstes Anzeichen eines Druckgeschwürs ist eine Hautrötung, die sich nicht mehr wegdrücken lässt. Es gibt auch angepasste Sitzkissen und Wechseldruckmatratzen als Hilfsmittel.
Achtung: Als Angehörige sollten Sie auch auf Details wie Falten im Bettlaken oder Fremdkörper in der Kleidung achten. Diese könnten Druck auf die Haut ausüben, wenn der Patient oder die Patientin sich daraufsetzt oder legt.
Pflege bei Dekubitus
Kontrollverlust über Blase und Darm
Die meisten Menschen mit Querschnittlähmung haben Probleme mit der Funktion von Blase beziehungsweise Darm, was im Alltag sehr belastend sein kann. Viele davon müssen zum Beispiel mehrmals am Tag die Harnblase per Katheter entleeren. Passiert dies nicht regelmäßig, drohen Harnwegsinfektion und Nierenschäden. Um Stuhlinkontinenz zu verhindern, ist oft regelmäßiges Abführen nötig. Gutes Blasen- und Darmmanagement kann die Lebensqualität erheblich verbessern.
Pflege bei Inkontinenz – Ein Leitfaden für Angehörige
Überhitzung & Unterkühlung
Querschnittgelähmte haben auch teilweise keine Kontrolle mehr über ihre Körpertemperatur. Unterhalb der Lähmungshöhe können Betroffene dann weder schwitzen noch vor Kälte zittern. Es kommt leichter zu Überhitzung beziehungsweise Unterkühlung. Worauf Pflegende achten sollten:
- Regelmäßig die Körpertemperatur messen
- Direkte Sonneneinstrahlung im Sommer vermeiden
- Die Kleidung der Temperatur anpassen und entsprechend wechseln
- Klimaanlage oder Ventilatoren bei Überwärmung einsetzen
- Keine Wärmflaschen oder Heizdecken verwenden, um die Gefahr von Verbrennungen und Überwärmung auszuschließen
Atemprobleme
Eine Querschnittlähmung beeinträchtigt je nach Höhe auch das Atmen, mit Atemproblemen und Atemnot als möglichen Folgen. So kann etwa Sekret nicht richtig abhustet werden. Regelmäßige Umlagerung ist auch hier wichtig. Mitunter muss die Reinigung und Freihaltung des Nasen-Rachenraums von Sekret unterstützt werden. Dazu erfolgt das Absaugen durch die Nase oder den Mund.
Spastiken
Über zwei Drittel der Querschnitt-Patient:innen haben eine krankhaft erhöhte Muskelspannung und gesteigerte, nicht kontrollierbare Reflexe.[7] Die unwillkürlichen Bewegungen und Verkrampfungen entstehen, da die Nervenbahnen im Rückenmark unterbrochen sind, welche normalerweise die Muskelspannung regulieren und steuern.
Oft treten bei einer Spastik Schmerzen an betroffenen Muskeln oder Gelenken auf. Regelmäßiges Durchbewegen und Dehnen sowie geräteunterstützte Bewegungen helfen. Weitere Therapiemöglichkeiten umfassen Physiotherapie und antispastische Lagerungsmethoden.
Pflegeprobleme und Maßnahmen im Überblick
| Probleme | Beispielhafte Maßnahmen |
| Bewegungseinschränkungen | Regelmäßige, maßvolle Bewegung |
| Schluckstörungen | Zeit lassen beim Essen, nicht krümelnde Speisen |
| Druckgeschwüre | Mobilisierung, regelmäßige Umlagerung |
| Inkontinenz | Harnblase regelmäßig mit Katheter entleeren, regelmäßiges Abführen |
| Überhitzung | Regelmäßige Temperaturmessung, Maßnahmen zum Temperaturmanagement wie angepasste Kleidung |
| Atemprobleme | Regelmäßige Umlagerung, ggf. Sekret absaugen |
| Spastiken | Regelmäßiges Durchbewegen und Dehnen |
Praktische Unterstützung im Alltag
Um den Alltag für Menschen mit Querschnittlähmung und deren Pflegende zu erleichtern, gibt es einige technische Hilfsmittel.
- Rollstühle: Ein geeigneter und individuell angepasster Rollstuhl ist für Menschen mit Querschnittlähmung oft unerlässlich. Es gibt viele verschiedene Modelle wie Multifunktionsrollstühle oder Sportrollstühle.
- Greifhilfen: Handorthesen, Greif- und Roboterarme unterstützen im Alltag bei eingeschränkter Handfunktion.
- Hebehilfen und Transfersysteme: Mit Hebehilfen wie Deckenliftern oder mobilen Hebebühnen können Pflegende die Patient:innen sicher und ohne Kraftaufwand bewegen, etwa zum Bett oder zur Badewanne.
- Badehilfen: Spezielle Badehilfen wie Duschstühle oder Badeliegen erleichtern die tägliche Hygiene.
- Hilfsmittel zur Blasen- und Darmkontrolle: Urinbeutel, Katheter oder Stuhlmanagementprogramme helfen bei der Bewältigung von Blasen- und Darmproblemen.
- Druckentlastungsmatratzen und Lagerungshilfen: Spezielle Matratzen und Lagerungshilfen können das Risiko von Druckgeschwüren reduzieren.
- Kommunikationshilfen: Für Personen mit beeinträchtigter Sprach- oder Sprechfähigkeit können Sprachcomputer oder andere alternative Kommunikationsgeräte nützlich sein.
Pflegegrad bei Querschnittlähmung
Eine Querschnittlähmung hat enorme Auswirkungen auf das Alltagsleben. Betroffene sitzen oft im Rollstuhl und benötigen Unterstützung bei vielen Alltagshandlungen wie Körperpflege, Anziehen und Nahrungsaufnahme. Einen Pflegegrad erhalten Menschen mit einer Querschnittlähmung daher in der Regel immer.
Je nach Schwere der Beeinträchtigungen gibt es fünf Pflegegrade. Festgelegt werden sie anhand definierter Kriterien in diesen sechs Lebensbereichen:
- Mobilität
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
- Selbstversorgung
- Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen
- Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
Welchen genauen Pflegegrad ein oder eine Querschnittgelähmte erhält, hängt von der individuellen Situation ab.
So funktioniert die Einstufung in Pflegegrade
Pflegegrad bei Querschnittlähmung beantragen
Wenn Sie als Angehörige für eine:n Querschnitterkrankte:n einen Pflegegrad beantragen wollen, sind diese Schritte zu beachten:
- Pflegekasse beziehungsweise Krankenkasse telefonisch oder schriftlich (formlos) informieren
- Das Antragsformular der Pflegekasse ausfüllen
- Begutachtung durch Mitarbeitende des Medizinischen Dienstes oder durch Medicproof (bei Privatpatienten)
- Bescheid der Pflegekasse über den Pflegegrad
Pflege bei Querschnittlähmung – ein Fazit
Die Diagnose Querschnittlähmung ist ein schwerer Schock. Kaum ein Bereich des Lebens bleibt davon unberührt. Betroffene müssen lernen, mit vielen körperlichen, psychischen und sozialen Herausforderungen umzugehen. Als Pflegende können Sie Ihren Angehörigen oder Ihre Angehörige bei diesem langen Bewältigungsprozess unterstützen. Eine umfassende Pflegeplanung und Beratung durch Expert:innen ist sinnvoll, um die Lebensqualität der Patient:innen bestmöglich zu stärken.
Häufige Fragen zur Querschnittlähmung | FAQ
Eine Lähmung beziehungsweise Querschnittlähmung führt zu starken Beeinträchtigungen des Alltagslebens. Deshalb erhalten Menschen mit einer Querschnittlähmung daher in der Regel immer einen Pflegegrad. Welchen, das hängt von ihrer individuellen Lage ab.
Tetraplegie wird durch eine Schädigung im Halsbereich verursacht. Neben dem Rumpf sind Arme, Hände und Beine gelähmt. Bei einer Paraplegie ist das Rückenmark im Brust- oder Lendenbereich geschädigt. Die Lähmung betrifft je nach Höhe vor allem Teile des Rumpfs und die Beine. Arme und Hände sind kaum oder nicht eingeschränkt.
Lähmungen einer Körperseite, oft durch einen Schlaganfall verursacht, können die Beweglichkeit der Gelenke stark einschränken und dazu führen, dass diese versteifen. Regelmäßiges Durchbewegen von Gelenken und Muskeln ist daher essenziell. Bei stark eingeschränkter Mobilität sollte besonderes Augenmerk auch auf die Vermeidung von Druckstellen gelegt werden. Bei Hemiparese sollte bei allen therapeutischen Maßnahmen immer zuerst mit der gelähmten Seite begonnen werden. Hemiparese-Patient:innen neigen selbst teilweise dazu, diese Seite zu vernachlässigen.
Die Therapie ist immer abhängig davon, auf welche Art und Weise die Querschnittlähmung zustande kam beziehungsweise, wie stark das Rückenmark verletzt ist und welche Ausfälle vorhanden sind. Eine Therapie ist in der Regel multimodal. Zu den geeigneten Maßnahmen zählen etwa: Therapien in der Akutphase wie Operationen, Elektrostimulation, Physio- und Ergotherapie, Atemtherapie, Schmerztherapie, Verhaltenstherapie.
Es gibt einige technische Hilfsmittel, die das Leben von Menschen mit Querschnittlähmung und ihren Pflegepersonen erleichtern: Etwa Rollstühle, Greifhilfen, Hebehilfen und Transfersystem, Badehilfen, Hilfsmittel zur Blasen- und Darmkontrolle, Druckentlastungsmatratzen und Lagerungshilfen oder Kommunikationshilfen.
Quellen:
[1] DER-QUERSCHNITT.DE. Das Informationsportal der Manfred Sauer Stiftung (o.D : Querschnittlähmung weltweit und im deutschsprachigen Raum: Zahlen und Fakten. Online verfügbar unter: https://www.der-querschnitt.de/querschnittlaehmung-weltweit-und-im-deutschsprachigen-raum-zahlen-und-fakten-46568 [abgerufen am 02.08.2026]
[2] Journal für Urologie und Urogynäkologie/Österreich (27.03.2020): Zurückgewonnene Selbstständigkeit bei hoher und kompletter Querschnittslähmung der Frau. Online verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s41972-020-00104-8 [abgerufen am 02.08.2026]
[3] DER-QUERSCHNITT.DE. Das Informationsportal der Manfred Sauer Stiftung (o.D : Querschnittlähmung weltweit und im deutschsprachigen Raum: Zahlen und Fakten. Online verfügbar unter: https://www.der-querschnitt.de/querschnittlaehmung-weltweit-und-im-deutschsprachigen-raum-zahlen-und-fakten-46568 [abgerufen am 02.08.2026]
[4] TK – Die Techniker (08.05.2025): Was versteht man unter einer Querschnittlähmung? Online verfügbar unter: https://www.tk.de/techniker/krankheit-und-behandlungen/erkrankungen/behandlungen-und-medizin/neurologische-einschraenkungen/was-versteht-man-unter-einer-querschnittslaehmung-2016440 [abgerufen am 24.07.2026]
[5] DER-QUERSCHNITT.DE. Das Informationsportal der Manfred Sauer Stiftung (o.D.): Depression und Querschnittlähmung. Online verfügbar unter: https://www.der-querschnitt.de/depression-und-querschnittlaehmung-71205 [abgerufen am 24.07.2026]
[6] AMWF online. Das Portal der wissenschaftlichen Medizin (25.09.2024): Diagnostik und Therapie der akuten Querschnittlähmung. Online verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-070l_S3_Diagnostik-Therapie-akuten-Querschnittlaehmung_2025-04.pdf [abgerufen am 03.08.2026]
[7] DER-QUERSCHNITT.DE. Das Informationsportal der Manfred Sauer Stiftung (o.D.): Spastik und Spasmen als Folge einer Querschnittlähmung. Online verfügbar unter: https://www.der-querschnitt.de/spastik-als-folge-einer-querschnittlahmung-3552 [abgerufen am 03.08.2026]
Weitere Quellen:
Springer Medizin (14.12.2022): Die Intensivmedizin. Querschnittlähmung: Akutbehandlung und Rehabilitation. Online verfügbar unter: https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/die-intensivmedizin/querschnittlaehmung-akutbehandlung-und-rehabilitation?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54675-4_58 [abgerufen am 24.07.2026]
AMWF online. Das Portal der wissenschaftlichen Medizin (01.08.2022): Atmung, Atemunterstützung und Beatmung bei akuter und chronischer Querschnittlähmung. Online verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/179-011l_S2k_Atmung-Atemunterstuetzung-Beatmung-bei-akuter-und-chronischer-Querschnittlaehmung_2022-11.pdf [abgerufen am 24.07.2026]
AMWF online. Das Portal der wissenschaftlichen Medizin. (o.D.): Depression bei Menschen mit Querschnittlähmung: Besonderheiten in der Diagnostik und Behandlung. Online verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/179-003l_S1_Depression-bei-Menschen-mit-Querschnittlaehmung_Besonderheiten-Diagnostik-Behandlung_2023-07.pdf [abgerufen am 24.07.2026]
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