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„Positive Care“: Wohlbefinden statt Psychopharmaka


Helmut Wiesner freut sich. Wieder hat er eine Figur beim Spiel Formacube fertig gelegt. Der 60-jährige hat sich nach einem Schlaganfall vor fast vier Jahren gut erholt, leidet aber immer noch unter leichten motorischen Einschränkungen. „Das ist gar nicht so einfach und erfordert viel Übung“, erklärt er. Auch Janine Fischer, Leitung der Sozialen Betreuung im Zentrum für Betreuung und Pflege Curanum Landshut, bestätigt: „Formacube stimuliert sowohl die kognitiven als auch die motorischen Fähigkeiten. Herr Wiesner ist inzwischen so gut, dass er bereits alle Level fertig hat“.

Formacube besteht aus vorgegebenen Formen, die mittels verschiedenfarbiger Würfel auf unterschiedliche Arten und in verschiedenen Schwierigkeitsgraden nachgebildet werden müssen. Es ist eines von sieben Angeboten aus Positive Care, dem nicht-medikamentösen Therapieansatz der Korian-Gruppe, der im letzten Jahr als Pilot in Landshut und 12 weiteren Korian-Einrichtungen, deutschlandweit gestartet wurde. Anfang des Jahres ist Positive Care in weiteren 126 Korian-Einrichtungen an den Start gegangen. In den Einrichtungen des französischen Schwesterunternehmens ist Positive Care bereits komplett eingeführt.

Als Positive Care bezeichnet Korian seinen ganzheitlichen, personenzentrierten und fürsorglichen Ansatz, der das Wohlbefinden des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Anstatt Bewohner nur mit Krankheiten und Einschränkungen in Verbindung zu bringen, werden ihre noch vorhandenen Fähigkeiten und Stärken mit verschiedenen Therapien und Methoden gefördert. Dabei liegt der Fokus auf den psychosozialen und emotionalen Bedürfnissen jedes Bewohners. Die Anwendungen umfassen kognitive und motorische Verfahren, die sich positiv auf das Verhalten auswirken. Die Ergebnisse werden regelmäßig evaluiert.

Um ihren Kollegen den Positive-Care-Gedanken nahezubringen, fährt Christiane Schück, Mitarbeiterin des Zentralen Qualitätsmanagements bei Korian und als Projektleitung für Positive Care zuständig, in die Einrichtungen, um die Beteiligten entsprechend zu schulen.

„Ich bin von Positive Care überzeugt“, so Schück. „Durch die regelmäßige Anwendung konnten bei manchen Bewohnern Angst- und Spannungszustände gemindert oder sogar Psychopharmaka reduziert werden.“

Die Umsetzung der Schulungen sei eine kleine Herausforderung. „Die Mitarbeiter erhalten Unterlagen, werden aber auch in Workshops im Umgang mit den Positive-Care-Materialien geschult“, so Schück. Zusätzlich bietet die Korian-Akademie Fortbildungen für die Leitungen der Sozialen Betreuung an.

„Wir erfinden das Rad nicht neu. Einige der bei Positive Care verwendeten Materialien sind so oder in ähnlicher Form bereits in vielen Häusern im Einsatz“, erklärt Schück.  So beispielsweise das Kraft- und Balancetraining oder „Vertellekes“, ein biografisches Spiel, dessen Name sich vom Plattdeutschen ableitet und „Erzählen“ bedeutet. „Es kommt bei den Bewohnern gut an und viele der geweckten Erinnerungen zaubern ihnen ein Lächeln ins Gesicht.“ „Wir erfassen und evaluieren als erstes Unternehmen die Wirkung der Therapien und passen sie entsprechende an“.

Für Helmut Wiesner ist neben Formacube auch „Korianfit“ ein wöchentliches Highlight. Das interaktive Trainingsgerät, das man sich wie eine Wii für Senioren vorstellen kann, fördert, je nachdem welche der zahlreichen Spielemöglichkeiten ausgewählt wird, die Konzentration und Bewegungsfähigkeit des Körpers. Die Trainingsergebnisse werden aufgezeichnet und dienen der Verlaufsdokumentation. „Mit `Korianfit´ können wir nachvollziehen, ob sich Leistungen verbessern, verschlechtern oder gleichbleiben. Besonders ehrgeizige Gruppen können auch kleine Turniere austragen“, erklärt Janine Fischer.

Neben „Korianfit“ sei auch das „Demenztablet“ eine „tolle Sache“, die sowohl von Bewohnern als auch Mitarbeitern sehr gut angenommen werde. Das Demenztablet sei speziell zur Betreuung von pflegebedürftigen Senioren entwickelt worden und enthalte Medien zur Beschäftigung und Aktivierung wie beispielsweise Lieder oder Filme. „Die unkomplizierte Handhabung ermöglicht uns vielfältige Einsatzmöglichkeiten“, so Fischer. So könne das Tablet auch problemlos bei der Aktivierung von bettlägerigen Senioren eingesetzt werden.

Bis Ende 2020 wird Positive Care in allen Einrichtungen des Unternehmens umgesetzt sein.

 

Foto: Sandra Steh Fotografie