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03 Dezember 2019, Die Fachabteilungen informieren

Neues Prüfverfahren beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Seit dem 01. November gelten für die Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen neue Regeln. Sascha Saßen, Leiter von Qualität und Ethik bei KORIAN Deutschland erläutert das neue System des MDK Deutschland.

In Deutschland sind mehr als drei Millionen Menschen pflegebedürftig. Sie müssen darauf vertrauen können, dass sie eine gute pflegerische Versorgung erhalten. Gute Pflege soll sich an den individuellen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen orientieren und auf Basis anerkannter medizinisch-pflegerischer Standards erfolgen.

Die Einhaltung dieser Standards überprüft u.a. der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) in ambulanten Pflegediensten und Pflegeheimen regelmäßig. Im Fokus steht dabei, wie die Umsetzung der individuellen Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner in Abgleich mit den Prüfkriterien ist. Anhand von Stichproben überprüft der MDK, ob die pflegerischen Anforderungen und Standards erfüllt und z.B. die Körperpflege und Ernährung angemessen sind.

Zusätzlich von jeder Einrichtung regelmäßig selbst erhobene Qualitätsmerkmale ersetzen dann in Kombination mit den Qualitätsprüfungen das bisherige in Verruf geratene Pflegenotensystem.

Mit dem neuen System wird die interne Qualitätssicherung in den Einrichtungen mit der externen Qualitätsprüfung durch den MDK in einer neuartigen Weise verknüpft. Interessierte Kundinnen und Kunden erhalten künftig detailliertere Informationen über die Versorgungsqualität und die Ausstattungsmerkmale in Pflegeeinrichtungen. Auf diese Weise sollen Pflegebedürftige und Angehörige die Qualität eines für sie passenden Pflegeheimes besser erkennen können.

Sascha Saßen, Bereichsleiter des Zentralen Qualitätsmanagement bei KORIAN Deutschland, über das neue Prüfverfahren.

Sascha Saßen, Leiter des Zentralen Qualitätsmanagement von KORIAN Deutschland

Können Sie das neue Prüfverfahren des MDK erklären?

Das neue System löst Schritt für Schritt die bisherigen Pflegenoten ab. Ab sofort müssen Pflegeheime halbjährlich interne Qualitätsdaten – so genannte Indikatoren – bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern erheben. Dabei wird beispielsweise erfasst, wie mobil und selbständig sie sind, wie viele Personen an einem unbeabsichtigten Gewichtsverlust oder an Sturzfolgen leiden.

Unsere Häuser leiten ihre Daten dann im Anschluss an eine unabhängige Stelle zur Auswertung weiter. Jedes Heim wird mit den bundesweiten Qualitätsergebnissen aller Einrichtungen verglichen. Ab November prüft der MDK zudem die Versorgungsqualität nach einem neuen Prüfverfahren und berät die Einrichtungen pflegefachlich. Bis Ende 2020 muss jede Einrichtung einmal geprüft worden sein.

Worin unterscheidet sich das Prüfverfahren von dem alten Verfahren?

Der entscheidende Unterschied zum bisherigen Verfahren ist, dass wir nicht mehr einzelne Prüfkriterien maßgeblich sind, sondern anhand von Leitfragen die Qualität der Versorgung bewerten. Die MDK-Prüfer untersuchen in einer Stichprobe bei neuen Bewohnerinnen und Bewohnern wie gut sie versorgt sind. Dafür sprechen sie mit den Pflegebedürftigen und schauen sich den Pflegezustand an. Auch das Gespräch mit den verantwortlichen Pflegefachkräften ist wesentlicher Bestandteil des neuen Prüfverfahrens.

Was sind die Vorteile des Prüfverfahrens?

Mit dem neuen Prüfverfahren sehen wir eine große Chance für die Weiterentwicklung der Pflegequalität. Bei der Qualitätsprüfung rückt künftig die bewohnerbezogene Bewertung der Versorgungsqualität und die pflegefachliche Beratung noch stärker in den Fokus. Neben klassischen Themen wie Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung, Körperpflege, Medikamenten- und Wundversorgung gibt es neue Prüfinhalte: wie die Unterstützung bei Mobilität, bei der Tagesstrukturierung, Beschäftigung und Kommunikation sowie der Umgang mit herausforderndem Verhalten. Damit werden alle Aspekte der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt.

Belastet die Umstellung die Einrichtungen zusätzlich mit Arbeit?

Wir sind gut vorbereitet, weil wir unsere digitale Pflegedokumentation bereits vor vielen Monaten so angepasst und ergänzt haben, dass bei korrekter Erfassung durch die Pflegefachkräfte die wesentlichen Indikatoren vollautomatisch digital erhoben werden.

Das Programm zeigt den verantwortlichen Pflegefachkräften problematische Entwicklungen an, damit sie frühzeitig reagieren können. Damit nutzen wir dieses System nicht nur für die Prüfungen, sondern für unsere eigene Qualitätssteuerung. Es ist damit viel einfacher geworden, die vielfältigen Risiko-Faktoren unserer Bewohner im Blick zu haben. Allerdings ist richtig, dass der zusätzliche Aufwand für die Einrichtungen leider nicht entsprechend finanziert wird.