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Interview mit Arno Schwalie: „Digitalisierung verstehen wir als neues Denkmodell“


Herr Schwalie, Korian plant die Eröffnung mehrerer Spezialhäuser für pflegebedürftige Menschen mit psychischen Erkrankungen. Welche Strategie steckt dahinter?

Schwalie: Mit der Eröffnung weiterer Einrichtungen nach dem „hessischen Rahmenkonzept Comorbidität“ bieten wir Menschen, die sonst durch Raster fallen, eine passende Versorgungsform. Das „Comorbiditätskonzept“ vereint Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch (SGB XI und XII).

Es richtet sich an Menschen mit einer seelischen Behinderung beziehungsweise chronischen psychischen Erkrankungen oder einer Abhängigkeitserkrankung, die zudem noch pflegerische Unterstützung benötigen.

Gemeinsam mit dem Hessischen Sozialministerium haben wir hir als Vorreiter insgesamt fünf Einrichtungen aufgebaut. Nachdem wir im vergangenen Jahr im bayerischen Altötting einen ersten Modell-Versorgungsvertrag verhandeln konnten, hoffen wir, dass das Beispiel nun Schule macht.

 

Sie wollen künftig verstärkt die Digitalisierung in den Einrichtungen fördern. Was ist konkret geplant?

 Bei der Digitalisierung verfolgen wir einen Ansatz, der sich nicht allein auf die Ausstattung in den Einrichtungen bezieht. Der Aufbau der Infrastruktur ist sicher eine Voraussetzung für die Zukunft, aber die Digitalisierung verstehen wir in der Korian-Gruppe letztlich als neues Denk- und Geschäftsmodell in der Pflege. Verglichen mit anderen Branchen ist die Digitalisierung als „disruptives“ Moment, als eine Entwicklung, die Selbstverständlichkeiten auf den Kopf stellt, noch nicht wirklich angekommen: Digitale Kundenplattformen, radikal vom Kunden her gedachte Prozessgestaltungen, technische Assistenten, die Abläufe steuern und viele Tätigkeiten komplett verändern können. Dabei ist für uns das Ziel immer klar: Digitalisierung ist nur dann gut, wenn sie mit spürbar besserer Dienstleistung oder für eine nachhaltige Entlastung bzw. Unterstützung der Mitarbeiter einhergeht.

 

Sie haben im vergangenen Jahr verkündet, keine Leiharbeiter mehr beschäftigen zu wollen. Was steckt dahinter und wie weit haben Sie das bisher umsetzen können?

Wir haben vor allem dieses sehr spezielle Biotop der Leiharbeit in der Pflege öffentlich hinterfragt: Außerhalb unserer Branche war zuvor doch kaum jemandem bekannt, dass Leiharbeiter in der Pflege deutlich kostspieliger sind als festangestellte Mitarbeiter und dass Vermittler, angesichts der Personalknappheit relativ einseitig die Bedingungen diktieren können. Wir haben daher beschlossen, lieber in unsere eigenen Mitarbeiter zu investieren und Leiharbeit drastisch zu reduzieren. Mit Erfolg! Heute gewinnen und binden wir gute Mitarbeiter, auch gerade, weil wir uns so klar gegen Leiharbeit positionieren. Natürlich greifen wir auch heute noch teils auf externe Mitarbeiter zurück – etwa um bei kurzfristigen Krankmeldungen weiter unserer Versorgungspflicht gerecht zu werden. Aber wir kompensieren nicht mehr strukturelle Personalknappheit mit Leiharbeit.

Das Interview ist nachzulesen in der aktuellen Ausgabe der Altenheim 5/2019