Ratgeber – Korian Deutschland https://www.korian.de Bei Korian sind Sie bestens umsorgt Thu, 30 Apr 2026 09:43:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 /favicon.ico Ratgeber – Korian Deutschland https://www.korian.de 32 32 Grippeimpfung – Wann, für wen und was Sie über Nebenwirkungen wissen sollten https://www.korian.de/ratgeber-magazin/grippeimpfung-wann-fuer-wen-und-was-sie-ueber-nebenwirkungen-wissen-sollten/ Mon, 13 Apr 2026 14:46:12 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=68992

Plötzliches Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Gliederschmerzen, Husten und Schlappheit: Wer solche Symptome spürt, könnte an einer Grippe leiden. Eine Grippe – oder fachsprachlich: Influenza – ist eine ernsthafte Erkrankung und keine einfache Erkältung. Je nach Alter und Gesundheitszustand der betroffenen Person verläuft sie unterschiedlich und kann auch schwere Verläufe zeigen. Deshalb wird für bestimmte Personengruppen eine Grippeimpfung empfohlen. Das betrifft zum Beispiel ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen. Zu Vorerkrankungen zählen zum Beispiel Asthma, COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes.

Eine Grippe hält im Durchschnitt fünf bis sieben Tage an. Die Betroffenen sind aber in der Regel auch danach noch mehrere Tage lang geschwächt. Schwere Verläufe zeigen sich meist drei bis zehn Tage nach Beginn der Symptome. Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel eine Lungenentzündung oder ein Herzinfarkt. Unter Grippeinfizierten kommt es auch immer zu wieder Todesfällen. In der Saison 2025/26 gab es laut Robert-Koch-Institut über 1900 Todesfälle1 durch Influenza. 95 Prozent der Verstorbenen waren 60 Jahre oder älter.

Was ist die Grippeimpfung – und wie funktioniert sie?

Grippe und Erkältung sind zwei verschiedene Erkrankungen. Beide Atemwegserkrankungen werden von Viren ausgelöst. Bei der Erkältung – einem sogenannten grippalen Infekt – sind es vor allem die sogenannten Rhinoviren, bei Grippe die Grippe- oder Influenzaviren. Mehr zum Unterschied zwischen Grippe und Erkältung lesen Sie hier.

Eine Grippeimpfung schützt vor Ansteckung mit Influenzaviren. Dabei werden inaktive Grippeviren bzw. Virusbestandteile gespritzt. Das Immunsystem der geimpften Person fängt daraufhin an, Antikörper gegen diese Viren zu produzieren. Bei diesen inaktiven Viren spricht man von einem Totimpfstoff.

Es gibt noch weitere Arten von Impfstoffen. Unterschieden werden sie unter anderem dadurch, ob es sich um Tot- oder Lebendimpfstoff handelt und wie viele Virenstämme im Impfstoff enthalten sind, etwa drei (bei den sogenannten trivalenten Impfstoffen) oder vier (bei quadrivalenten). Mehr über die verschiedenen Impfstoffe lesen Sie hier.

Wirkprinzip der Grippeimpfung auf einen Blick
  1. Bei der Impfung werden inaktive oder abgeschwächte Viren oder Bestandteile davon unter die Haut oder in den Muskel gespritzt, das sogenannte Antigen
  2. Das Immunsystem der geimpften Person erkennt dieses Antigen als fremd
  3. Das Immunsystem regt Immunzellen an, Antikörper gegen das Antigen zu bilden und eine Erinnerung an das Virus zu erzeugen
  4. Kommt die geimpfte Person später mit dem tatsächlichen Virus in Kontakt, bildet das Immunsystem die richtigen Antikörper
  5. Die Antikörper beseitigen die Viren in Kooperation mit dem restlichen Immunsystem

Grippeimpfung: Welche Impfstoffe gibt es?

Mehrere Grippeimpfstoff-Spritzen zur Vorbereitung einer Influenza-Impfung in medizinischem Kontext

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt Influenza-Impfungen generell für mehrere Bevölkerungsgruppen. Das betrifft einerseits Menschen, die selbst bestimmte Voraussetzungen erfüllen, und andererseits Personen, die mit diesen regelmäßig Kontakt haben.

Grundsätzlich wird eine Grippeimpfung für Menschen ab 60 Jahren, für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Grunderkrankung empfohlen. Zu berücksichtigen sind dabei Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten. Außerdem geht es um chronische neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose, eine angeborene oder erworbene Immunschwäche (Immundefizienz) oder um HIV. Hinzukommen Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung bereits ab dem ersten Trimenon.

Wer selbst diese Voraussetzungen erfüllt oder wer mit Menschen zu tun hat, die sie erfüllen, sollte sich nach der STIKO-Empfehlung impfen lassen.

Ein Sonderfall sind Personen, die häufigen Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln und Robben haben. Bei diesen Tieren kam es in den letzten Jahren häufig zu Infektionen mit speziellen, hauptsächlich unter Tieren verbreiteten Influenzaviren. Wenn sich nun etwa ein Tierpfleger parallel mit den unter Tieren verbreiteten und den saisonalen Grippeviren infiziert, könnte es zu genetischen Veränderungen an den Viren und damit einem erheblichen Gesundheitsrisiko auch für die Gesellschaft kommen. Deshalb wird auch für sie eine Impfung empfohlen.

Die Risikogruppen im Überblick2:
• Personen ab 60 Jahren
• Menschen mit chronischen Grunderkrankungen
• Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
• Medizinisches Personal
• Schwangere
• Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
• Kontaktpersonen von Menschen mit bestehendem Risiko
• Personen, die häufigen Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln und Robben haben

Wer zahlt die Grippeimpfung?

Bei allen Angehörigen der genannten Risikogruppen übernehmen die gesetzlichen oder die privaten Krankenkassen die Kosten für die Influenza-Impfung. Einige gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich auch bei Menschen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, an den Kosten. Wer sich dafür interessiert, sollte sich bei seiner Krankenkasse erkundigen.

Wer privat versichert ist und keiner Risikogruppe angehört, kann sich in einer entsprechend zugelassenen Apotheke impfen lassen. Die Kosten dafür kann er oder sie sich von der Privatkasse erstatten lassen. Seit Oktober 2022 dürfen Apothekerinnen und Apotheker nach einer entsprechenden Fortbildung Impfungen vornehmen.

Die Kosten einer Grippeimpfung in der Apotheke setzen sich in etwa so zusammen3:






Gesamtpreis:
38 Euro

Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?

Personen der Risikogruppen sollten sich im Idealfall im Oktober oder November, spätestens aber bis Mitte Dezember impfen lassen, um rechtzeitig geschützt zu sein. Hintergrund: In den vergangenen Jahren hat die Grippewelle in Deutschland ihren Höhepunkt meist kurz nach dem Jahreswechsel erreicht. Die Immunabwehr des Körpers benötigt etwa zehn bis 14 Tage, um Antikörper zu entwickeln.

Anfang Oktober Mitte Oktober Anfang Januar
Grippeimpfung Schutz gegen Grippeviren ist aufgebaut Höhepunkt der Grippewelle

Personen aus den Risikogruppen, die bis dahin noch nicht geimpft sind, sollten sich aber durchaus auch danach noch impfen lassen. Schließlich sind die Dauer und die zeitlichen Verläufe einer Grippewelle nie genau vorherzusagen. Es gab auch schon Grippesaisons, in denen es im März noch zu einer weiteren Grippewelle kam, aufgrund einer anderen Virusvariante.

Wann muss man gegen Grippe nachimpfen?

Ganz wichtig: Angehörige der Risikogruppen sollten sich zu jeder Saison aufs Neue impfen lassen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen verschiedene Virenstämme, die sich jedes Jahr unterschiedlich stark ausbreiten können. Zum anderen können sich Influenzaviren auch leicht verändern: Dadurch haben die Viren einen Vorteil, weil die Antikörper aus einer früheren Impfung oder Infektion weniger gut an die neuen Varianten binden können. Außerdem lässt der Schutz durch eine Influenza-Impfung laut dem RKI nach sechs bis 12 Monaten 4 nach.

Für einen möglichst guten Schutz wird der Grippeimpfstoff für jede Saison an diejenige Zusammensetzung der Virenstämme angepasst, die voraussichtlich das Infektionsgeschehen dominieren wird. Dafür untersuchen Referenzlabore in aller Welt die aktuell jeweils zirkulierenden Influenzaviren. Ihre Ergebnisse übermitteln die Labore dann an die Weltgesundheitsorganisation WHO, die mit den nationalen Institutionen zusammenarbeiten. In Deutschland ist dies das Nationale Referenzzentrum für Influenza am Robert Koch-Institut.

Grundsätzlich muss man sich pro Saison aber auch nur einmal impfen lassen. Die Impfungen sind nicht als Booster konzipiert, die sich verstärken würden, und es wird von einem ausreichenden Schutz nach einer Impfung ausgegangen. Ausnahmen sind Kinder, die aufgrund von gesundheitlicher Gefährdung erstmalig gegen Grippe geimpft werden. Ihnen werden zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen verabreicht.

Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?

  • Angehörige der Risikogruppen sollten sich möglichst zwischen Oktober und Mitte Dezember impfen lassen.
  • Wurde das versäumt, bringt eine Impfung auch später noch Schutz. Es gilt: Besser spät impfen als nie.

Wann wirkt die Grippeimpfung? Wie schnell greift der Schutz?

Etwa zehn bis 14 Tage braucht der Körper, um eine Immunantwort auf den Impfstoff zu entwickeln. Ab diesem Zeitpunkt setzt dann die Schutzwirkung ein. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts hält diese Wirkung etwa sechs bis zwölf Monate an. Studien zufolge liegt die Wirksamkeit der Impfung zwischen 20 und 60 Prozent.5

Bei älteren Erwachsenen wird von einer Wirksamkeit von durchschnittlich 40 Prozent ausgegangen. Diese Schutzwirkung liegt zwar unter der manch anderer Impfstoffe. Aufgrund der Häufigkeit von Grippeinfektionen können dennoch viele Ansteckungen vermieden werden. Laut RKI sind dies etwa 400.000 verhinderte Fälle pro Jahr in der Altersgruppe 60+.

Wissenswertes zum Thema Impfen

Impf_Bilderf_Web_man

Nebenwirkungen der Grippeimpfung – was ist normal?

Der saisonale Grippeimpfstoff ist in der Regel gut verträglich. Als Impfreaktionen können direkt an der Einstichstelle lokale Erscheinungen wie leichte Schmerzen, eine Rötung oder Schwellung auftreten. Diese Reaktionen sind nicht schlimm, sondern sogar im Gegenteil eine Folge der erwünschten, natürlichen Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff.

Als leichte Nebenwirkungen kann es vorübergehend zu Erkältungssymptomen wie Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen kommen. Diese klingen aber meistens innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder ab. Schwerwiegende Nebenwirkungen, wie etwa allergische Sofortreaktionen, treten nur sehr selten auf.

Mögliche Impfreaktion/Nebenwirkungen6

Impfreaktion/Nebenwirkung Häufigkeit
Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Einstichstelle sehr häufig, > 10 %
Kopf- und Gliederschmerzen sehr häufig, > 10 %
Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein häufig, 1–10 %
Müdigkeit Unklare Studienlage – gelegentlich, 0,1–1 %, bis sehr häufig, 17 %7
Magen-Darm-Beschwerden Sehr selten, <0,1 %

Quelle: DAP – Deutsches Apotheken-Portal: Checkliste für Grippeimpfungen in der Apotheke, Stand Juli 2025

Menschen, die an einer schweren Allergie gegen Hühnerweiß leiden, sollten vorsichtig sein: Grippeimpfstoffe werden üblicherweise unter Verwendung von Hühnerweiß hergestellt und es können Spuren davon im Impfstoff enthalten sein. Wer also zum Beispiel auf Hühnerweiß in kurzer Zeit mit anaphylaktischen Symptomen wie einem Kreislaufkollaps reagiert, sollte mit einem anderen Impfstoff geimpft werden.

Nach der Impfung: Deshalb ist Beobachtung so wichtig

Korian_1038_Bessenbach_2023_05_17_0019

Wann sollte man NICHT gegen Grippe impfen? – Kontraindikationen

Wer zum geplanten Impfzeitpunkt eine leichte Erkältung hat, kann trotzdem geimpft werden. Für Angehörige der Risikogruppen gibt es nur drei sogenannte Kontraindikationen, also Gründe, warum sie aktuell nicht geimpft werden sollten:

  1. Sie leiden an einer Erkrankung mit 38,5 °C Fieber oder mehr
  2. Sie haben einen schweren akuten Infekt
  3. Sie haben eine Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffes, zum Beispiel Hühnereiweiß

In den Fällen 1) und 2) sollte die Impfung verschoben werden. Bei 3) sollte ein Impfstoff gewählt werden, der die Allergie auslösende Substanz nicht enthält.

Wenn bei Angehörigen der Risikogruppen keiner dieser drei Gründe vorliegt, kann die Grippeimpfung verabreicht werden.

Mythen-Check: Löst eine Grippeimpfung Grippe aus?

Der Mythos, dass eine Grippeimpfung eine Grippe auslösen kann, ist auf jeden Fall falsch. Bei einem Totimpfstoff sind die Viren genau das: tot – und sie können keine Krankheit auslösen.

Wie wirksam ist die Grippeimpfung – und was passiert bei Grippe trotz Impfung?

Keine Art von Impfung bietet einen 100-prozentigen Schutz, auch die Grippeimpfung nicht. Sie entwickelt bei älteren Erwachsenen in etwa eine Schutzwirkung von 40 Prozent. Das bedeutet: Auch wer geimpft ist, kann Grippe bekommen. Doch erfahrungsgemäß verläuft eine Infektion bei geimpften Menschen milder und mit weniger Komplikationen.

Wer trotz Impfung eine Grippe bekommt, sollte sie mit den bewährten Mitteln behandeln. Und wer grippeähnliche Symptome zeigt, sollte auch in Erwägung ziehen, dass ihn ein anderer Erreger von Atemwegsinfekten erwischt hat. Denn auch die sind während der Grippesaison vermehrt unterwegs.

Grippeimpfung für Senioren – was Angehörige wissen sollten

Menschen der Altersgruppe 60+ haben ein besonders großes Risiko, an schweren Verläufen der Grippe zu leiden. Mit dem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab; Immunseneszenz nennen Fachleute dieses Phänomen. Dadurch ist zum einen die Abwehr gegen die Erreger weniger ausgeprägt, zum anderen kann dadurch auch die Impfung weniger wirksam sein als bei jüngeren Menschen.

Außerdem leiden Senioren und Seniorinnen häufiger an Vorerkrankungen, die das Risiko von Komplikationen erhöhen. Sofern keine Kontraindikation vorliegt, sollten sie sich deshalb auf jeden Fall gegen Influenza impfen lassen.

Für Menschen ab 60 empfiehlt die STIKO die Immunisierung mit einem Hochdosis-Impfstoff oder einem wirkverstärkten, sogenannten MF-59-adjuvantierten Grippeimpfstoff, die beide im Vergleich zu Standard-Grippeimpfstoffen eine bessere Wirksamkeit bei dieser Altersgruppe haben.

Parallel dazu sollte geprüft werden, ob die Seniorin oder der Senior noch einen ausreichenden Impfschutz gegen Covid-19, Pneumokokken und RSV hat. Gegebenenfalls können mehrere Impfungen gleichzeitig vorgenommen werden, um etwa Bewohnenden von Pflegeheimen die Belastung gleich mehrerer Arzttermine zu ersparen.
Einen Überblick über Schutzimpfungen für Senioren und Seniorinnen finden Sie hier.

Daran sollten Sie als Angehörige denken:

• Im Oktober einen Termin zur Grippeimpfung für die Seniorin oder den Senior organisieren
• Wenn Sie mit ihr oder ihm regelmäßig Kontakt haben, sich am besten auch gleich impfen lassen
• Die hausärztliche Praxis kontaktieren
• Prüfen, ob noch Impfschutz gegen Covid-19, Pneumokokken und RSV besteht

Fazit: Grippeimpfung – sinnvoll, sicher und jährlich empfohlen

Menschen ab 60, Bewohnende von Pflegeheimen und Personen mit Vorerkrankungen – und alle, die mit ihnen umgehen – sollten sich unbedingt zu jeder neuen Saison wieder gegen Grippe impfen lassen. Der Aufwand ist gering, die Risiken sind minimal und die Schutzwirkung ist überzeugend: Zwar liegt die Schutzwirkung nicht nahe hundert Prozent, ist aber deutlich besser als „nichts“ und senkt die Risiken für Ansteckung, schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte. Also: im Oktober zur Grippeimpfung!

Häufig gestellte Fragen zur Grippeimpfung

Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Grippeimpfung sollte idealerweise im Oktober erfolgen. Damit ist die Schutzwirkung zum üblichen Höhepunkt der Grippesaison da. Aber auch eine spätere Impfung kann noch sinnvoll sein.

Wie schnell wirkt die Grippeimpfung?

Die Schutzwirkung der Grippeimpfung tritt nach zehn bis 14 Tagen ein. Wer sich also Anfang Oktober impfen lässt, ist zur Hochzeit der Grippesaison geschützt.

Wie lange hält der Schutz der Grippeimpfung?

Die Wirkung der Grippeimpfung hält sechs bis zwölf Monate an. Damit ist eine erneute Impfung für jede Grippesaison notwendig.

Welche Nebenwirkungen hat die Grippeimpfung?

Der Impfstoff der Grippeimpfung ist in der Regel gut verträglich. Häufig treten Impfreaktionen wie Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle auf, manchmal auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen. Diese klingen aber in der Regel innerhalb weniger Tage ab.

Kann man sich bei Erkältung gegen Grippe impfen lassen?

Ja, auch bei einer Erkältung kann man sich gegen Grippe impfen lassen. Bei akuten Infekten oder Erkrankungen mit Fieber sollte die Impfung verschoben werden.

Kann man trotz Grippeimpfung Grippe bekommen?

Ja, eine Grippeimpfung schützt nicht zu 100 Prozent davor, dass man Grippe bekommt. Aber in der Regel sind die Verläufe dann sehr viel milder.

Wie oft muss man die Grippeimpfung auffrischen?

Jede Saison sollte die Grippeimpfung aufgefrischt werden. Die Wirkung der Impfung lässt nach spätestens zwölf Monaten nach. Außerdem wird die Zusammensetzung der Impfung jedes Jahr an das erwartete Profil der Viren angepasst, die voraussichtlich vorherrschend sein wird.

Wer übernimmt die Kosten der Grippeimpfung?

Die Kosten der Grippeimpfung übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen bei Angehörigen der Risikogruppen. Wer nicht zur Risikogruppe gehört, sich aber dennoch impfen lassen möchte, sollte dazu mit seiner Krankenkasse sprechen.

Quellen:

    1. Pharmazeutische Zeitung (2026): „RKI erklärt Grippewelle für beendet“, online unter https://www.pharmazeutische-zeitung.de/rki-erklaert-grippewelle-fuer-beendet-164080/ (abgerufen am 13.04.2026)
    2. RKI (2025): „Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza“, online unter https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ-Liste_gesamt.html#entry_16870876 (abgerufen am 13.04.2026)
    3. Lauterjung, A. (2025): „Die Ökonomie der Grippeimpfung“, WirtschaftsWoche, online unter https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/grippeimpfung-so-setzt-sich-der-preis-fuer-sie-zusammen/100181381.html (abgerufen am 13.04.2026)
    4. RKI (2021): „Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza – Wie hoch ist die Wirksamkeit der Influenza-Impfung“, online unter https://www.fu-berlin.de/sites/abt-1/stabsstellen/fundament-gesundheit/_elemente_startseite-neu/Grippeschutzimpfung-2021/11_-RKI—FAQ-Grippeschutzimpfungen.pdf (abgerufen am 13.04.2026)
    5. RKI (2021): „Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza – Grippeschutzimpfung (Stand: 17.3.2021)“, online unter https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ_Liste_Wirksamkeit.html#entry_16870918 (abgerufen am 13.04.2026)
    6. Deutsches Apothekenportal (2025): „Checkliste für Grippeimpfungen in der Apotheke“, online unter https://pro.campus.sanofi/dam/Portal/Germany/Resources/Alles-rund-um-die-Influenza-Impfung-in-der-Apotheke/pdf/Serviceblaetter-alle-Grippeimpfung-2025-2026-DAP.pdf(abgerufen am 13.04.2026)
    7. Lee CS, Lee KH, Jung MH, Lee HB. Rate of influenza vaccination and its adverse reactions seen in health care personnel in a single tertiary hospital in Korea. Jpn J Infect Dis. 2008 Nov;61(6):457-60. PMID: 19050354. online unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19050354/(abgerufen am 13.04.2026)

Weitere Quellen:

]]>
Grippeimpfung: Welche Impfstoffe gibt es? https://www.korian.de/ratgeber-magazin/grippeimpfung-welche-impfstoffe-gibt-es/ Mon, 13 Apr 2026 14:34:33 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=69151

Welche Grippeimpfstoffe eingesetzt werden, hängt von der Person ab: Einige eignen sich besonders für ältere Menschen, andere sind für Menschen mit Hühnereiweiß-Allergie ohne Hühnereiweiß hergestellt. Die Grippeimpfstoffe (Vakzine) unterscheiden sich in der Zusammensetzung und der Zielgruppe. Bestimmte Personengruppen sollten sich zu jeder Grippesaison impfen lassen. Dazu zählen unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Personen mit verschiedenen chronischen Grunderkrankungen, Bewohner und Bewohnerinnen von Pflegeheimen sowie alle, die mit diesen Menschen regelmäßig beruflich Kontakt haben. In der Grippesaison 2024/2025 waren laut Robert Koch Institut in Deutschland 34,5 % der Personen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft (Frauen: 34,8 %; Männer: 34,0 %). Bei den über 80-Jährigen (46,6 %) sowie den 70- bis 79-Jährigen (39,1 %) lagen die Impfquoten deutlich höher als bei den 60- bis 69-Jährigen (25,3 %)1.
Welche Impfstoffe für wen infrage kommen, lesen Sie in diesem Artikel.

Grippeimpfstoffe im Überblick

Das Paul-Ehrlich-Institut hat zahlreiche Impfstoffe verschiedener Hersteller für die Grippeimpfung freigegeben. Die gängigsten Produkte der Grippesaison 2025/2026 heißen Influsplit, Fluad, Elfluelda, Flucelvax und Fluenz. Sie enthalten üblicherweise die für die jeweilige Grippesaison von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Antigene.

Zusammensetzung der Impfstoffe: tetravalent und trivalent

Es gibt drei verschiedene Virus-Typen: Influenza A, B und C. Die C-Viren verursachen nur milde Einzelfälle und werden deshalb nicht berücksichtigt. Die beiden anderen können hingegen zu Epidemien führen. Dass sich jährlich so viele Menschen mit Grippe anstecken, liegt auch an der hohen Veränderlichkeit der Viren. Wenn sich die Viren vermehren, kommt es häufig zu Mutationen. Die Viren verändern sich dadurch teilweise so, dass die Abwehrzellen eines Menschen sie nicht mehr so gut erkennen, selbst wenn er schon einmal eine Grippeinfektion durchgemacht hat.

Influenza A-Viren haben zwei besonders wichtige sogenannte Oberflächeneiweiße (mit H und N bezeichnet), die in verschiedenen Typen vorkommen. In der Saison 2025/26 war zum Beispiel das Virus A (H3N2) stark verbreitet.
Bei den B-Viren gibt es hingegen keine Subtypen, sondern nur zwei Linien, die weltweit zirkulieren, die sogenannte Yamagata- und die Victoria-Linie2.

Wenn Impfstoffe Antigene von zwei A-Subtypen und zwei B-Linien enthalten, also von vier Virenstämmen, nennt man sie tetravalent (tetra = griechisch: vier). Bei zwei A-Subtypen und einer B-Linie spricht man von trivalent (tri = griechisch: drei). Seit September 2023 empfiehlt die STIKO trivalente Impfstoffe ohne die B/Yamagata-Linie, weil diese nicht mehr weltweit zirkuliere3.

Antigene sind jene Substanzen, die das Immunsystem dazu veranlassen, Antikörper gegen die Viren zu erzeugen. Diese Reaktion des Körpers nennt sich Immunantwort.

Grundsätzlich lassen sich fünf Gruppen von Grippeimpfstoffen unterscheiden, die für verschiedene Zielgruppen empfohlen sind4

Totimpfstoffe

Totimpfstoffe sind die Standardimpfstoffe in Deutschland. Bei einer Impfung damit werden inaktive Viren oder Bestandteile von Viren unter die Haut oder in den Muskel gespritzt. Diese wirken als Antigene, die das Immunsystem veranlassen, Antikörper gegen das Virus zu bilden. Diesen Schutz gegen Grippeviren entwickelt der Körper in der Regel zehn bis 14 Tage nach der Impfung. Der Produktname des in Deutschland zugelassenen Totimpfstoffs lautet „Influsplit“.

Mythen-Check: Löst eine Grippeimpfung Grippe aus?

Der Mythos, dass eine Grippeimpfung eine Grippe auslösen kann, ist auf jeden Fall falsch. Bei einem Totimpfstoff sind die Viren genau das: tot – und sie können keine Krankheit auslösen.

MF59-adjuvantierte Impfstoffe

MF59-adjuvantierten Impfstoffe kommen vor allem für ältere Menschen infrage. Die STIKO empfiehlt für Personen ab 60 Jahren eine Grippfeimpfung mit einem MF59-adjuvantierten oder Hochdosisimpfstoff. Der Hintergrund: Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab (Immunseneszenz). Bei MF59-adjuvantierten Impfstoffen ist das Adjuvans MF59 zugesetzt. Ein Adjuvans ist ein Hilfsstoff, der die Wirksamkeit des Impfstoffs verbessern soll. MF59 soll also dafür sorgen, dass die Antikörperbildung des geimpften Menschen verstärkt wird. Es gibt MF59-adjuvantierte Impfstoffe , die bereits ab 50 Jahren zugelassen sind. Das Produkt in Deutschland heißt „Fluad“.

Hochdosisimpfstoffe

Hochdosisimpfstoffe werden ebenfalls bei älteren Menschen genutzt – die STIKO empfiehlt sie als Alternative zu adjuvantierten Grippeimpfstoffen ab 60 Jahren. „Elfluelda“ heißt das in Deutschland zugelassene Produkt.

Impfstoffe ohne Hühnereiweiß

Grippeimpfstoffe werden üblicherweise unter Verwendung von Hühnereiern hergestellt und können Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Für Menschen mit einer starken Allergie gegen Hühnereiweiß wird ein alternativer Impfstoff unter Verwendung von Zellkulturen hergestellt. Der Produktname lautet „Flucelvax“.

Lebendimpfstoffe

Für Kinder im Alter von zwei bis 17 Jahren steht außerdem ein Lebendimpfstoff zur Verfügung, der als Nasenspray verabreicht wird (Produktname: „Fluenz“). Für junge Menschen mit einer Impfempfehlung kann sowohl dieser wie auch ein Totimpfstoff verwendet werden. Unter besonderen Voraussetzungen, wie einer Spritzenphobie oder einer Blutgerinnungsstörung, empfiehlt sich das Nasenspray.
Achtung: Anders als beim Totimpfstoff besteht hier die Gefahr der Virusübertragung, deshalb sollten damit Geimpfte ein bis zwei Wochen nach der Impfung den Kontakt zu immungeschwächten Personen meiden. Auch darf der Impfstoff aus diesen Gründen Personengruppen mit bestimmten Grunderkrankungen, etwa einer Immunschwäche, nicht verabreicht werden.

Welcher Grippeimpfstoff ist der richtige für mich?

Welcher Impfstoff für eine Grippeimpfung in Frage kommt, entscheidet natürlich letztlich der impfende Arzt oder die impfende Ärztin.

Name Art Applikation Altersgruppe
Efluelda Hochdosis-Impfstoff (Spaltimpfstoff) intramuskulär
oder subkutan
ab 60 Jahren
Fluad Adjuvantierter Impfstoff (inaktivierter Untereinheiten-Impfstoff aus Oberflächenantigen) intramuskulär ab 50 Jahren
Flucelvax Normaldosis-Impfstoff (inaktivierter Untereinheiten-Impfstoff aus Oberflächenantigen) intramuskulär ab sechs Monate
Fluenz Attenuierter Lebendimpfstoff nasal zwei bis einschließlich 17 Jahre
Influsplit Normaldosis-Impfstoff (inaktivierter Spaltimpfstoff) intramuskulär ab sechs Monate

Auswahl Grippeimpfstoffe mit Stammanpassung 2025/2026, Quelle: Paul-Ehrlich-Institut4

Wissenswertes zum Thema Impfen

Impf_Bilderf_Web_man

Als erste Orientierung gilt:

  • Wenn eine Person 60 Jahre oder älter ist, dann werden besonders wirksame Impfstoffe empfohlen wie Hochdosis- oder die sogenannten MF59-adjuvantierten Impfstoffe.
  • Wenn eine starke Allergie gegen Hühnereiweiß vorliegt, dann gibt es einen besonderen hühnereiweißfreien Impfstoff. Produktname: „Flucelvax“.

Vor allem gibt aber:

  • Wenn ich zu einer der Risikogruppen gehöre, dann sollte ich daran denken, meinen Impfschutz gegen Grippe zu Beginn der Saison im Oktober oder November auffrischen zu lassen! Wenn Sie alleine leben, holen Sie sich ggf. Unterstützung bei Familie oder Bekannten.

Als nächsten Schritt einen Termin in der hausärztlichen Praxis machen, um sich über die Möglichkeiten einer Grippeimpfung und die verschiedenen Impfstoffe beraten zu lassen.

Mehr über die Risikogruppen und die Grippeimpfung allgemein erfahren Sie hier.

FAQ zu Grippeimpfstoffen

Was für Grippeimpfstoffe gibt es?

Es gibt verschiedene in Deutschland zugelassene Grippeimpfstoffe. Einige eignen sich besonders für ältere Menschen, andere sind für Menschen mit Hühnereiweiß-Allergie ohne Hühnereiweiß hergestellt. Die gängigsten Grippeimpfstoffe 2025/2026 heißen Influsplit, Fluad, Elfluelda, Flucelvax und Fluenz. Die beste Anlaufstelle zur Beratung ist die hausärztliche Praxis.

Welcher Grippeimpfstoff für über 60-Jährige?

Für die Altersgruppe 60+ sind die besonders wirksamen Hochdosis- beziehungsweise MF59-adjuvantierten Impfstoffe zugelassen. Die Produktnamen lauten „Efluelda“ bzw. „Fluad“.

Was bedeutet Totimpfstoff?

Das sind Impfstoffe, die keine lebenden Viren enthalten. Diese können keine Infektion auslösen, sehr wohl aber das Immunsystem dazu bringen, die entsprechenden Antikörper zu entwickeln.

Was bedeutet „tetravalent“?

Tetra ist das griechische Wort für „vier“. Tetravalente Impfstoffe enthalten Antigene von vier Virenstämmen. Die inzwischen empfohlene Variante mit drei Virenstämmen bei Grippeimpfstoffen heißt trivalent.

Warum gibt es zu jeder Saison neue Grippeimpfstoffe?

Durch Mutationen verändern sich die weltweit im Umlauf befindlichen Grippeviren. Um die aktuelle Zusammensetzung bestmöglich abzudecken, wird jedes Jahr die passende Mischung aus Antigenen zusammengestellt – es gibt also praktisch zu jeder Saison neue Grippeimpfstoffe.

Grippeimpfung – Wann, für wen und was Sie über Nebenwirkungen wissen sollten

Weibliche Pflegefachkraft verabreicht älterer Frau eine Grippeimpfung in den Oberarm

Quellen:

    1. RKI (2025): „Influenza: Impfquote (ab 60 Jahre)“, online unter https://www.gbe.rki.de/DE/Themen/GesundheitsfoerderungPraeventionUndVersorgung/GesundheitsfoerderungundPraevention/VorsorgeUndFrueherkennung/Influenzaimpfung/influenzaimpfung_node.html?darstellung=0&kennzahl=1&zeit=2024&geschlecht=0&standardisierung=0 [Abgerufen am: 13.04.2024]
    2. Internisten im Netz (2017): „Influenzaviren: die großen Verwandlungskünstler“, online unter https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/grippe/influenzaviren-die-grossen-verwandlungskuenstler.html [Abgerufen am: 13.04.2024]
    3. Deutsches Ärzteblatt (2024): „STIKO empfiehlt Wechsel von quadrivalenten zu trivalenten Influenza-Impfstoffen“, online unter https://www.aerzteblatt.de/news/stiko-empfiehlt-wechsel-von-quadrivalenten-zu-trivalenten-influenza-impfstoffen-8eb3c1a0-7f91-4821-bb02-d75d4e6f9bbf [Abgerufen am: 13.04.2024]
    4. Paul-Ehrlich-Institut (2026): „Saisonale Influenza-Impfstoffe“, online unter https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/influenza-grippe/influenza-node.html [Abgerufen am: 13.04.2024]

Weitere Quellen:

]]>
Pflege bei Oberschenkelhalsbruch – schnell wieder auf die Beine kommen https://www.korian.de/ratgeber-magazin/pflege-bei-oberschenkelhalsbruch-schnell-wieder-auf-die-beine-kommen/ Fri, 20 Mar 2026 11:14:48 +0000 https://www.korian.de/ratgeber-magazin/pflege-bei-oberschenkelhalsbruch-schnell-wieder-auf-die-beine-kommen-2/

Die richtige Behandlung und Pflege bei Oberschenkelhalsbruch ist entscheidend, damit Betroffene schnell wieder mobil werden und aktiv am Leben teilnehmen können. Ein Oberschenkelhalsbruch ist eine typische Verletzung älterer Menschen, oft ausgelöst durch einen einfachen Sturz. Es reicht schon das Stolpern über eine übersehene Teppichkante für die Fraktur des Oberschenkelhalses (Collum femoris).

Jährlich werden laut Deutscher Gesellschaft für Chirurgie bei den über 65-Jährigen etwa 966 Oberschenkelhalsbrüche pro 100.000 Menschen diagnostiziert (Stand 2023).1 Für die Betroffenen bedeuten die Frakturen häufig eine dramatische Verschlechterung ihrer allgemeinen gesundheitlichen Lage. Viele verlieren ihre Selbstständigkeit. Schenkelhalsbrüche sind nicht selten der Einstieg in die Pflegebedürftigkeit. Die richtige Nachsorge und Pflege bei Oberschenkelhalsbruch ist also von großer Bedeutung.

Proximale Femurfraktur auf einen Blick

Oberschenkelhalsbrüche, medizinisch proximale Femurfrakturen genannt, gehören zu den häufigsten Frakturtypen älterer Menschen. Die Inzidenz steigt die letzten Jahre stetig und nimmt abhängig von der Demographie perspektivisch weiter zu.2 Femurfrakturen sind oft ein prognostisch einschneidendes Ereignis und gehen einher mit erheblicher Morbidität, Mortalität und Pflegebedürftigkeit. Nach Lokalisation des Bruchs unterscheidet man Femurkopf-, Oberschenkelhals- und pertrochantäre Frakturen.3

Dieser Artikel gibt Einblicke in die Auswirkungen dieser Verletzung und zeigt auf, wie Sie Betroffene bei Pflege und Genesung unterstützen können. Denn eine sorgfältige Behandlung und Nachsorge steigern die Chancen auf eine erfolgreiche Rückkehr in den Alltag erheblich.

Was ist ein Oberschenkelhalsbruch?

Der Oberschenkelknochen ist der längste und stärkste Knochen im Körper. Bei einem Oberschenkelhalsbruch bricht der Knochen im Bereich zwischen dem Oberschenkelschaft und dem Hüftkopf (siehe Grafik). In den meisten Fällen müssen Betroffene operiert werden.

Hauptursache für einen Oberschenkelhalsbruch sind Stürze. Diese können durch Stolperfallen in der Wohnung, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Vorerkrankungen (z. B. Osteoporose) ausgelöst werden.

Quelle: nach https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/koerper/oberschenkelhalsbruch.html

Quelle: nach https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/koerper/oberschenkelhalsbruch.html

Tipp: Wohnung barrierefrei machen

Viele Wohnungen sind nicht barrierefrei, durch Stolperfallen wie Türschwellen, Treppen oder nicht-ebenerdige Duschwannen. Zur Sturzprophylaxe und für längere Selbstständigkeit können sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen dazu beitragen, Wohnräume barrierefrei zu gestalten. Darunter versteht man sämtliche Umbaumaßnahmen, die das Leben mobilitätseingeschränkter Menschen in den eigenen Wohnräumen verbessern. Beispiele wären Vergrößerung der Zimmertüren, Anbringen von Haltegriffen oder der Einbau einer barrierefreien Dusche. Welche finanzielle Unterstützung Sie bei wohnumfeldverbessernden Maßnahmen erhalten, lesen Sie hier.

Typische Symptome eines Oberschenkelhalsbruchs sind starke Schmerzen in Hüfte und Leiste, die ins Bein oder Becken strahlen können. Das Bein lässt sich nicht schmerzfrei bewegen und kann nicht belastet werden. Optisch sieht es manchmal kürzer aus als das andere. Auch Blutergüsse und Schwellungen können auftreten.

Diagnose Oberschenkelhalsbruch auf einen Blick

Die Diagnose eines Oberschenkelhalsbruchs erfolgt gemäß der aktuellen medizinischen Leitlinie „Schenkelhalsfraktur des Erwachsenen“ durch drei aufeinander aufbauende Schritte: Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren. Im Anamnesegespräch klärt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt zunächst den genauen Unfallhergang sowie relevante Vorerkrankungen und die aktuelle Medikation, insbesondere die Einnahme von Gerinnungshemmern wie ASS oder Clopidogrel. Bei der körperlichen Untersuchung werden typische Anzeichen wie eine sichtbare Beinverkürzung, Druck- und Bewegungsschmerz im Bereich der Hüfte sowie die Durchblutung, Sensibilität und Motorik von Bein und Fuß systematisch geprüft und dokumentiert. Zur bildgebenden Diagnostik gehören standardmäßig eine tiefe Beckenübersichtsaufnahme sowie eine axiale Röntgenaufnahme des Oberschenkels. Nur wenn diese Aufnahmen keine eindeutige Beurteilung ermöglichen, wird ergänzend eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Bei Verdacht auf eine Einblutung in die Gelenkkapsel kann zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Hüftgelenks eingesetzt werden4.

Haben Sie Verdacht auf einen Oberschenkelhalsbruch, bei Ihnen oder anderen? Dann sollten Sie schnell einen Krankenwagen rufen, damit sich ein Notarzt oder -ärztin die Sache ansehen kann. Diese stellen die Diagnose nach einer körperlichen Untersuchung und Röntgen. Ein Oberschenkelhalsbruch sollte möglichst rasch behandelt werden.

Welche Therapie hilft bei Oberschenkelhalsbruch?

Die Behandlung eines Oberschenkelhalsbruchs erfolgt in der Regel operativ, normalerweise innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfall. Hierbei werden verschiedene Methoden angewandt. Häufig wird ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt (Endoprothese), was bei den meisten Patient:innen erfolgversprechend ist. Nach der OP wird der oder die Patient:in schnell wieder mobilisiert – das Bein kann je nach OP-Verfahren teil- oder vollbelastet werden.

Auf die OP wird nur verzichtet (konservative Behandlung), wenn sie nicht möglich ist; zum Beispiel, wenn die betroffene Person zu krank oder schwach für eine Operation inklusive Narkose ist. Die Heilungsdauer bei einem Oberschenkelhalsbruch ist stark abhängig von der Art der Therapie. Konservative Behandlungsmöglichkeiten umfassen Schmerztherapie, Thromboseprophylaxe und eine sorgfältig abgestimmte Mobilisation. Bei dieser Methode dauert der Heilungsprozess in der Regel etwa vier bis sechs Monate. Während dieser Zeit wird das gebrochene Bein stabilisiert und ruhiggestellt. Frühestens nach fünf Wochen beginnen Mobilisationsübungen in Zusammenarbeit mit Physiotherapeut:innen.

Oberschenkelhalsbruch Pflege Mai 2022

Therapie Oberschenkelhalsbruch auf einen Blick

Die Behandlung eines Oberschenkelhalsbruchs richtet sich nach Art und Schwere der Fraktur sowie dem individuellen Gesundheitszustand der betroffenen Person. Entsprechend der DGU-Leitlinie5 wird den meisten Fällen wird eine operative Versorgung angestrebt, da sie gegenüber der konservativen Behandlung eine bessere Stabilität, kürzere Immobilisation und eine deutlich geringere Komplikationsrate bietet.

Konservative Behandlung kommt nur in Ausnahmefällen zum Einsatz – etwa bei schwerer Herzinsuffizienz, allgemeinen Operationskontraindikationen, stabilen Frakturen mit geringer Fehlstellung oder bei bettlägerigen Patientinnen und Patienten mit Demenz. Sie umfasst eine adäquate Schmerztherapie sowie eine Entlastung für mindestens fünf Wochen, gefolgt von physiotherapeutisch begleiteter Mobilisation. Besonders wichtig ist in jedem Fall eine medikamentöse Thromboseprophylaxe.

Operative Behandlung ist bei instabilen Frakturen nahezu immer indiziert. Je nach Alter, Aktivitätsniveau, Knochenqualität, Begleiterkrankungen und Frakturtyp wird zwischen zwei Verfahren gewählt: Bei jüngeren, aktiven Patient:innen unter 65–70 Jahren mit guter Knochenqualität und frischer Fraktur wird bevorzugt eine hüftkopferhaltende Osteosynthese durchgeführt – idealerweise innerhalb von 6–24 Stunden, da eine frühzeitige Operation das Risiko einer Hüftkopfnekrose halbiert. Bei älteren Betroffenen mit niedrigem Aktivitätsniveau, fortgeschrittener Osteoporose oder ausgeprägter Coxarthrose ist hingegen die Implantation einer Endoprothese die bevorzugte Methode – sie sollte innerhalb von 24 bis maximal 48 Stunden nach dem Bruch erfolgen.

Nachsorge: Unmittelbar nach der Operation werden Thromboseprophylaxe und Schmerztherapie für vier bis fünf Wochen fortgeführt. Regelmäßige Wundkontrollen, Röntgenkontrollen und eine (wenn möglich) konsequente Frühmobilisation sind ebenso Standard wie physiotherapeutische Anleitung zu isometrischen Übungen und Atemtherapie zur Pneumonieprophylaxe.

Die richtige Pflege bei Oberschenkelhalsbruch

Nach einem Oberschenkelhalsbruch ist das vorrangige Ziel die Wiederherstellung der Gehfähigkeit und alltäglichen Bewegungen wie Treppensteigen.

Die unmittelbare Nachbehandlung einer OP erstreckt sich über etwa zwei Wochen im Krankenhaus, gefolgt von einer stationären Reha. Besonders empfohlen ist eine geriatrische Reha, die speziell auf die Bedürfnisse von Senior:innen zugeschnitten ist.

Warum eine Reha sinnvoll ist nach Oberschenkelhalsbruch

  • In der Reha sollen Betroffene wieder zu ihrer vorherigen körperlichen Verfassung zurückfinden
  • Pflegekräfte bieten praktische Unterstützung beim Waschen, Anziehen und anderen alltäglichen Aktivitäten
  • Schritt für Schritt sollen Betroffene diese Aufgaben wieder selbst übernehmen – und so ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen

Die wichtigsten Pflegemaßnahmen bei Oberschenkelhalsbruch

Ein Oberschenkelhalsbruch bringt einige pflegerische und therapeutische Herausforderungen mit sich. Die richtige Nachsorge und Prophylaxe sind entscheidend.

  1. Besonders wichtig in der Nachsorge ist die Physiotherapie. Auch wenn versucht wird, die Betroffenen so schnell wie möglich zu mobilisieren, kann es beispielsweise durch Schonhaltung und Bettruhe zu eingeschränkter Beweglichkeit und Muskelabbau kommen. Dies erfordert kontinuierliches Gegentraining. Indem die Oberschenkelmuskulatur erhalten und aufgebaut wird, kann vermieden werden, dass Betroffene nach einem Oberschenkelhalsbruch langfristig zum Pflegefall werden.
  2. Thromboseprophylaxe ist sowohl nach einer OP als auch im konservativen Behandlungsverlauf sehr wichtig. Neben Blutgerinnseln können Probleme wie Wundliegen (Dekubitus) und Lungenentzündungen auftreten. Angehörige und Pflegekräfte sollten den körperlichen Zustand der Betroffenen immer im Auge haben, um auf Veränderungen sofort reagieren zu können.

Finanzierung der Pflege nach Oberschenkelhalsbruch

Wenn Betroffene nach einem Oberschenkelhalsbruch pflegebedürftig sind, haben sie Anspruch auf Pflegegeld. Welchen Pflegegrad erhalten Betroffene nach einem Oberschenkelhalsbruch?

  • Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten.
  • Der Grad der Einschränkung bestimmt die Zuordnung zu einem der fünf gesetzlich festgelegten Pflegegrade.
  • Gutachter:innen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MD oder MDK) entscheiden nach einem Hausbesuch über den Pflegegrad.
  • Bei positiver Bewertung stehen Pflegeleistungen zu.
  • Ein anerkannter ambulanter Pflegedienst kann diese Leistungen direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

Falls eine Person nach einem Oberschenkelhalsbruch zum Pflegefall geworden ist und Angehörige die Pflege nicht übernehmen können oder wollen, kann ein Umzug in ein Pflegeheim eine sinnvolle Option sein. Besonders wenn zusätzlich Erkrankungen wie Demenz vorliegen, bietet ein Pflegeheim die notwendige Unterstützung und Betreuung.

Wann ist ein Pflegeheim nach einem Oberschenkelhalsbruch sinnvoll?

Wenn eine Rückkehr in die eigene Wohnung nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht möglich ist – etwa weil der Pflegebedarf zu hoch ist oder Angehörige die Versorgung nicht leisten können – bietet eine stationäre Pflegeeinrichtung eine verlässliche Alternative.

Pflegeeinrichtungen versorgen Menschen unterschiedlicher Pflegegrade und Bedarfssituationen. Das Angebot vom Pflege-Anbieter Korian Deutschland umfasst:

  • Vollstationäre Pflege – für dauerhaften, umfassenden Pflegebedarf
  • Kurzzeitpflege – als Übergangslösung direkt nach Krankenhausaufenthalt oder Reha
  • Verhinderungspflege – wenn pflegende Angehörige vorübergehend ausfallen
  • Demenzpflege – bei gleichzeitig bestehender demenzieller Erkrankung
  • Tagespflege – als teilstationäre Ergänzung zur häuslichen Versorgung

Die Versorgung erfolgt rund um die Uhr durch geschultes Pflegepersonal. Zur Grundausstattung gehören wohnlich eingerichtete Zimmer, eine ausgewogene Verpflegung sowie Aktivitäts- und Beschäftigungsangebote.

Wichtig für Angehörige: Die Kosten einer stationären Pflegeeinrichtung können je nach anerkanntem Pflegegrad teilweise von der Pflegekasse übernommen werden. Ein Antrag auf Pflegegrad sollte daher frühzeitig – idealerweise noch während des Krankenhausaufenthalts – gestellt werden.

So funktioniert die Einstufung in Pflegegrade

Korian_4056_Porta_Westfalica_2022_05_19_0397

Leben mit Oberschenkelhalsbruch – Selbstständigkeit wiedererlangen

Ein Oberschenkelhalsbruch schränkt die Mobilität und Eigenständigkeit erheblich ein, weil in der Regel operiert und erst langsam wieder mobilisiert wird. Ziel der gesamten Therapie ist die Rückkehr ins aktive Leben.

Einerseits sind physiotherapeutische Unterstützung und gezieltes Mobilitätstraining entscheidend. Andererseits spielt die mentale Einstellung eine wichtige Rolle: Oft haben Betroffene Sturzangst, was zu sozialer Isolation und Inaktivität führen kann.

Als Angehörige sollten Sie die betroffene Person nicht allein lassen, sondern unterstützend zur Seite stehen. Zum Beispiel können Sie gemeinsam Situationen analysieren, die Angst auslösen, um gezielte Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Regelmäßige Sporteinheiten können das Selbstvertrauen stärken.

Langfristig ist außerdem die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen essenziell.

Ein weiterer Punkt, den Sie beachten müssen: Infektionsschutz bei künstlichen Gelenken. Bakterielle Entzündungen können noch Jahre nach der OP auftreten. Vor geplanten medizinischen Eingriffen sollten Patient:innen ihre Ärzt:innen deshalb auf die künstlichen Gelenke hinweisen und nach individueller Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Ärztin präventiv Antibiotika einnehmen. Dies gilt beispielsweise für Zahnbehandlungen oder Darmspiegelungen.

Einige praktische Tipps zur Unterstützung im Alltag:

Nach einem Oberschenkelhalsbruch ist die Vermeidung eines erneuten Sturzes oberste Priorität. Die folgenden Maßnahmen helfen, das Sturzrisiko gezielt zu reduzieren – geordnet nach dem richtigen Zeitpunkt der Umsetzung:

Noch vor der Rückkehr nach Hause:

  • Stolperfallen wie Teppiche, Kabel und Schwellen entfernen oder sichern
  • Anti-Rutschmatten im Bad anbringen und nasse Schuhe direkt beim Eintreten ausziehen
  • Mobilen Toilettenstuhl neben das Bett stellen – nächtliche Toilettengänge gehören zu den häufigsten Sturzsituationen

Während der Rehabilitationsphase:

  • Hüftschutzhose tragen – sie federt Stürze ab und reduziert das Risiko einer erneuten Hüftfraktur, besonders bei Osteoporose

Für dauerhaft mehr Sicherheit:

  • Mobiles Notrufsystem einrichten – es gibt Sicherheit auch außerhalb der Wohnung und ermutigt zu mehr Bewegung. Bei anerkanntem Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse einen Teil der Kosten.

Tipp für Angehörige: Nutzen Sie den Krankenhausaufenthalt, um die Wohnung sturzgesichert vorzubereiten. Pflegekassen bieten häufig kostenlose Wohnberatungen an.

Hinweis: Die genannten Empfehlungen basieren auf den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie den Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes zur Sturzprophylaxe6.

Welche Unterstützung steht Angehörigen zu – und wie beantragen Sie diese?

Bei der Betreuung und Nachsorge sind Angehörige nicht auf sich allein gestellt. Je nach Pflegebedarf kann ein Pflegegrad beantragt werden. Dabei gibt es Unterstützung von der Pflegekasse, z. B. für Pflegesachleistungen wie ambulante Pflege. Für ein mobiles Notrufsystem übernimmt die Pflegekasse bei einem Pflegegrad ebenso einen gewissen Teil.

Auch bei Umbaumaßnahmen in der Wohnung, um Stolperfallen zu beseitigen, oder einem Umzug kann ein Zuschuss für „Wohnraumanpassung“ beantragt werden.
Angehörige müssen die Pflege nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht alleine stemmen. Je nach Pflegesituation stehen folgende Leistungen zur Verfügung:

Wenn ein dauerhafter Pflegebedarf besteht: Pflegegrad beantragen beim Medizinischen Dienst (MD). Der anerkannte Pflegegrad ermöglicht den Zugang zu weiteren Leistungen der Pflegekasse, z. B. für Pflegesachleistungen oder ein mobiles Notrufsystem.

Wenn die Wohnung sturzgesichert werden muss: Zuschuss für Wohnraumanpassung bei der Pflegekasse beantragen (bis 4.180 € pro Person bei anerkanntem Pflegegrad, Stand: 2026). Dieser kann für den Abbau von Stolperfallen, den Einbau von Haltegriffen oder andere bauliche Anpassungen genutzt werden7.

Wenn ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung notwendig wird: Frühzeitig Beratung bei der Pflegekasse oder einem unabhängigen Pflegestützpunkt einholen – dieser Schritt sollte idealerweise noch während des Krankenhausaufenthalts eingeleitet werden.

Erster Schritt für Angehörige: Wenden Sie sich an die Pflegekasse der betroffenen Person – sie ist die zentrale Anlaufstelle für alle genannten Leistungen und benennt auf Wunsch einen kostenlosen Pflegeberater.

Pflege bei Oberschenkelhalsbruch – ein Fazit

Die Pflege bei einem Oberschenkelhalsbruch soll Betroffenen ein selbstständiges Leben wieder ermöglichen. Dazu sind gezielte Reha, Mobilisation und mentales Training wichtig. Anpassungen in der Wohnung und im Alltag können die weitere Sturzgefahr reduzieren. Die liebevolle Pflege und Unterstützung durch Angehörige können einen großen Unterschied im Genesungsprozess und in der Lebensqualität machen.

Oberschenkelhalsbruch Pflege Übung

Häufig gestellte Fragen zu Oberschenkelhalsbruch

Welche Pflege nach Oberschenkelhalsbruch?

Therapie- und Pflegeziel nach einem Oberschenkelhalsbruch sind, dass Betroffene wieder gehen und sich im Alltag selbstständig bewegen können (z. B. Treppensteigen). Dazu ist eine frühzeitige und regelmäßige Mobilisierung wichtig, zum Beispiel durch Bewegungsübungen für Muskelaufbau und -erhalt und Verbesserung der Koordination. Je nach Einschränkung der betroffenen Person ist pflegerische Unterstützung bei Alltagsaufgaben nötig. Auch Thromboseprophylaxe spielt ggf. eine wichtige Rolle.

Wann Mobilisation nach Oberschenkelhalsbruch?

Wann die Mobilisation nach einem Oberschenkelhalsbruch erfolgt, ist abhängig von der Therapie. Nach einer Operation wird der oder die Patient:in schnell wieder mobilisiert – das Bein kann je nach OP-Verfahren teil- oder vollbelastet werden.

Ist die betroffene Person zu krank oder schwach für eine Operation inklusive Narkose, gibt es eine konservative Behandlung. Bei dieser Methode dauert der Heilungsprozess in der Regel etwa vier bis sechs Monate. Während dieser Zeit wird das gebrochene Bein stabilisiert und ruhiggestellt. Frühestens nach sechs beginnen Mobilisationsübungen in Zusammenarbeit mit Physiotherapeut:innen.

Wie schlafen nach Oberschenkelhalsbruch?

Wenn Sie nach einem Oberschenkelhalsbruch operiert wurden, sollten Sie nicht auf der operierten Seite schlafen. Auch mit dem Liegen auf dieser Seite sollten Sie bis zur ersten Nachkontrolle warten und mit Arzt oder Ärztin besprechen, welche Liegeposition möglich ist.

Welche Übungen soll ich nach einem Oberschenkelhalsbruch machen?

Wenn Sie nach einem Oberschenkelhalsbruch operiert wurden, startet Ihre Physiotherapie kurze Zeit nach der OP. Von Ihren Ärzt:innen und Physiotherapeut:innen erfahren Sie, welche Übungen sich eignen, um Ihre Oberschenkelmuskulatur zu kräftigen. Die Bewegungsübungen sind nicht nur wichtig für die Mobilisation, sondern senken auch das Risiko für einen erneuten Sturz.

Wie lange Bettruhe nach Oberschenkelhalsbruch?

Nach der Operation eines Oberschenkelhalsbruchs ist keine Bettruhe nötig: Direkt nach der OP kann das Bein wieder voll- oder teilbelastet werden. Wenn nicht operiert wird, zum Beispiel, weil der oder die Patient:in zu schwach für die Narkose ist, dauert der Heilungsprozess etwa vier bis sechs Monate. Die ersten 10 bis 14 Tage davon wird eine Bettruhe verordnet. Das gebrochene Bein wird stabilisiert und ruhiggestellt.

Quellen

    1. Thieme – Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie (2023): „Minimalinvasive Implantation einer Duokopfprothese bei Schenkelhalsfraktur“, online abgerufen unter https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1957-5837
    2. Die Unfallchirurgie (Ausgabe 5/2024): „Proximale Femurfrakturen“ (Verfasst von: Univ.-Prof. Dr. med. Tina Histing
      Prof. (apl.) Dr. med. Benedikt J. Braun, MBA), online abgerufen unter https://www.springermedizin.de/femurfrakturen/pseudarthrosen/proximale-femurfrakturen/27034344
    3. Amboss (2026): „Proximale Femurfrakturen“, online abgerufen unter https://www.amboss.com/de/wissen/proximale-femurfrakturen/
    4. AWMF online (2015): „Schenkelhalsfraktur des Erwachsenen“ (Verfasst von: Felix Bonnaire, Andreas Weber), online abgerufen unter https://www.iakh.de/files/iakh/public/richtlinien/012-001l_S2e_Schenkelhalsfraktur_2015-10_01.pdf
    5. AWMF online (2015): „Schenkelhalsfraktur des Erwachsenen“ (Verfasst von: Felix Bonnaire, Andreas Weber), online abgerufen unter https://www.iakh.de/files/iakh/public/richtlinien/012-001l_S2e_Schenkelhalsfraktur_2015-10_01.pdf
    6. gkv-90Prozent (2021): „Sturzprophylaxe – ein wichtiger Aspekt der Patientensicherheit“, online abgerufen unter https://www.gkv-90prozent.de/ausgabe/25/gut-informiert/25_sturzprophylaxe/25_sturzprophylaxe.html
    7. Bundesministerium für Gesundheit (2026): „Zuschüsse zur Wohnungsanpassung“, online abgerufen unter https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflege-zu-hause/zuschuesse-zur-wohnungsanpassung

Weitere Quellen:

]]>
Abschied nehmen und Trauerbewältigung  https://www.korian.de/ratgeber-magazin/abschied-nehmen-und-trauerbewaeltigung/ Fri, 05 Dec 2025 14:26:02 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=67163

Ein geliebter Mensch, ein Elternteil oder gar der eigene Lebenspartner oder die eigene Lebenspartnerin ist gestorben – wie geht man damit um? Weinen, schreien, sich zurückziehen, verstummen oder sich in Ablenkung stürzen? Die möglichen Ausdrucksformen von Trauer sind zahlreich. Vielfältig sind auch die Möglichkeiten, wie Trauernde Unterstützung und Hilfe finden können.

Trauern heißt Abschiednehmen

Um einen Verstorbenen zu trauern, bedeutet Abschied zu nehmen und irgendwann zurück in das eigene Leben zu finden. Das braucht seine Zeit. Den Prozess des Trauerns gestaltet jeder und jede individuell, es gibt so viele Arten zu trauern, wie es Menschen gibt. Verstärkt an den Verstorbenen zu denken, mit ihm oder ihr innerlich oder auch laut zu sprechen – das können Wege sein, zu trauern. Trauer kann sich auch körperlich äußern, etwa in Form von Schlaf-, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsstörungen.

Wichtig ist, Trauergefühle nicht zu verdrängen. Denn das kann zu körperlichen oder seelischen Erkrankungen führen. Außerdem: Gefühle der Freude würden wir ja auch nicht unterdrücken, warum also Trauer.

Phasen der Trauerbewältigung

Auch wenn jeder Mensch auf seine eigene Art trauert, lassen sich doch wiederkehrende Muster erkennen. Die Schweizer Psychoanalytikerin Verena Kast teilt dafür die Trauer in vier Phasen ein:

  1. Nicht-Wahrhaben-Wollen
    Häufig am Anfang des Trauerprozesses stehen Trauernde unter Schock, fühlen sich hilflos und wollen den Tod des geliebten Menschen nicht wahrhaben.
  2. Aufbrechende Emotionen
    Es kommt zu Gefühlsausbrüchen wie Wut, Schmerz, Zorn, manchmal auch Schuldgefühlen.
  3. Suchen und Sich-Trennen
    Es folgt eine Auseinandersetzung mit dem Verstorbenen und dessen Tod. Trauernde erinnern sich, führen Zwiegespräche, suchen Orte auf, die für sie und den verstorbenen Menschen bedeutsam waren.
  4. Neuer Selbst- und Weltbezug
    Trauernde beginnen den Tod des geliebten Menschen zu akzeptieren und ihren inneren Frieden zu finden. Sie fangen an, Pläne für ihr weiteres Leben zu entwickeln.

Diese Phasen laufen nicht zwangsläufig in der genannten Reihenfolge ab und können sich auch überschneiden. Weil sich Trauer bei jeder und jedem Betroffenen ganz individuell zeigt, rücken einige  Expertinnen und Experten mittlerweile von dem Phasenmodell ab. Dennoch kann es sicherlich helfen, eigene Empfindungen oder die anderer zu verstehen.

Duales Prozessmodell der Trauer

In Abgrenzung zum Phasenmodell wurde das duale Prozessmodell entwickelt. Es geht davon aus, dass sich die Gefühle trauernder Menschen fortwährend zwischen zwei Polen der Trauerbewältigung bewegen:

  • Verlustorientierte Bewältigung
    Trauernde versuchen, den Verlust zu verarbeiten. Ihre Gefühlswelten sind von Schmerz und Auseinandersetzung bestimmt.
  • Wiederherstellungsorientierte Bewältigung
    Trauernde finden in ihr Leben zurück, befassen sich mit ihrer neuen Realität. Die Gefühle sind Erholung und Ablenkung.

Der Wechsel zwischen diesen beiden Polen kann sicher sehr gut als eine Erklärung für die „Achterbahn der Gefühle“ dienen, von der viele Trauernde sprechen.

Korian_Pflegeratgeber_Trauerbewältigung und Abschied nehmen_Zimmer

Hilfe bei der Trauerbewältigung

Was hilft Trauernden, mit ihren Empfindungen umzugehen? Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche davon Betroffenen Unterstützung bietet, ist sehr individuell:

  • Mit nahestehenden Menschen über ihre Gefühle sprechen
    Es kann Überwindung kosten, da in unserer Gesellschaft nicht gerne über den Tod gesprochen wird – doch das Gespräch kann sehr wohltuend sein.
  • Sich an schöne Momente mit dem verstorbenen Menschen erinnern
    Gerade, wenn der Verstorbene zuletzt körperlich gezeichnet war oder vielleicht wesensverändert aufgrund einer Demenz, kann es tröstlich sein, sich an schöne, gegebenenfalls länger zurückliegende gemeinsame Zeiten zu erinnern.
  • Sich ablenken, sich neue Aufgaben suchen
  • Bewegung, Sport, Entspannung

 

Wenn Trauern krank macht

So wie die Ausdrucksformen der Trauer, kann auch die Dauer individuell sehr verschieden sein. Wenn Trauernde nach Wochen und Monaten noch nicht das Gefühl haben, in den Alltag zurückfinden zu können, sollten sie sich möglicherweise Hilfe holen.

Eine einfache, niederschwellige Unterstützung bietet zum Beispiel die Telefonseelsorge . In allen schwierigen Lebenslagen können sich Menschen an die Telefonseelsorge wenden – auch im Trauerfall. Und anders als der Name suggeriert, sind die Betreuer auch per Chat, Email oder persönlich zu erreichen. Den Kontakt zu Trauer- und Selbsthilfegruppen vermittelt der Malteser Hilfsdienst. Der Austausch mit Menschen, die unter ähnlichen Belastungen leiden, kann sehr wohltuend sein.

Einige Betroffene entwickeln eine sogenannte anhaltende Trauerstörung. Dabei handelt es sich um ein eigenes Krankheitsbild, bei dem Trauernde in der Verarbeitung ihres Verlustes über einen langen Zeitraum steckenbleiben und nicht mehr in den Alltag zurückfinden. Wer das Gefühl hat, daran zu leiden, sollte das unbedingt ärztlich abklären lassen und sich gegebenenfalls psychotherapeutische Hilfe suchen.

Korian_Ratgeber_Abschied nehmen und Trauerbewältigung im Todesfall im Pflegeheim_Utensilien und Unterlagen

Trauernde unterstützen

Wer nicht selbst von einem Todesfall betroffen ist, aber Trauernde in seinem Umfeld hat, kann gezielt helfen. Dazu sollte man verständnisvoll auf Trauernde zugehen und ihnen zuhören. Gerne kann man konkrete Vorschläge für gemeinsame Aktivitäten machen. Das müssen keine großen Unternehmungen sein, manchmal ist ein gemeinsamer Spaziergang genau das, was der oder die Trauernde braucht. In jedem Fall aber sollte man es respektieren, wenn Betroffene die Angebote nicht annehmen, sich zurückziehen und sie keinesfalls unter Druck setzen.

FAQs zur Trauerbewältigung

1. Wie äußert sich die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen?

Bei jedem Trauernden individuell. Betroffene weinen, ziehen sich zurück, erinnern sich intensiv oder sprechen laut mit dem Verstorbenen. Trauer kann auch körperliche Ausdrucksformen wie Schlaflosigkeit oder Konzentrationsschwächen annehmen.

2. Verläuft die Trauer in Phasen?

Auch das ist bei jedem Trauernden individuell. Es gibt Versuche, den Verlauf der Trauer modellhaft abzubilden, etwa mit dem 4-Phasenmodell oder dem dualen Prozessmodell. Das sind in der Regel nur Annäherungen an die wirklichen Verläufe, die jedoch eine Hilfestellung bieten können, um die Gefühle der Trauernden besser zu verstehen.

3. Wo erhalten Trauernde Unterstützung?

Zunächst im persönlichen Umfeld. Bei vertrauten Menschen finden Trauernde oft Verständnis und Unterstützung. Daneben gibt es auch zahlreiche Selbsthilfegruppen für Trauernde und natürlich unterstützt auch die Telefonseelsorge.

4. Kann Trauer krank machen?

Definitiv. Wer nach einem längeren Zeitraum nicht aus seiner Trauer hinaus- und zurück in den Alltag findet, kann am Krankheitsbild der anhaltenden Trauerstörung leiden. Dann sollte man sich unbedingt professionelle Hilfe suchen.

5. Was kann ich tun, wenn jemand aus meinem Umfeld trauert?

Wer Trauernde in seinem Umfeld hat, kann diesen schon mit geringem Aufwand helfen. Auf den trauernden Menschen zugehen, ihm oder ihr zuhören oder einen gemeinsamen Spaziergang vorschlagen, kann schon viel helfen. Auf jeden Fall sollte man akzeptieren, wenn die oder der Trauende sich zeitweilig zurückzieht.

]]>
Gürtelrose-Impfung: Warum sie sinnvoll ist und wer sich schützen sollte https://www.korian.de/ratgeber-magazin/guertelrose-impfung-warum-sie-sinnvoll-ist-und-wer-sich-schuetzen-sollte/ Fri, 21 Nov 2025 12:59:13 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=65787

Plötzliche, brennende Schmerzen und ein Ausschlag, der sich wie ein Gürtel um den Körper zieht – Gürtelrose ist keine harmlose Erkrankung. Sie wird durch das Varicella-Zoster-Virus ausgelöst, das nach einer Windpocken-Infektion ein Leben lang im Körper schlummert. Besonders im Alter oder bei geschwächtem Immunsystem kann das Virus reaktiviert werden und schwerwiegende Folgen haben. Die gute Nachricht: Eine Impfung kann das Risiko erheblich senken und vor den oft langwierigen Beschwerden schützen.

Was ist Gürtelrose und warum ist sie so gefährlich?

Gürtelrose – medizinisch als Herpes zoster bekannt – entsteht, wenn das Varicella-Zoster-Virus, das auch die Windpocken verursacht, im Erwachsenenalter wieder aktiv wird. Typisch ist ein einseitiger, schmerzhafter Hautausschlag mit Bläschen, der häufig am Rumpf, aber auch an anderen Körperstellen auftreten kann. Das Tückische: Nach einer überstandenen Windpocken-Erkrankung bleibt das Virus in den Nervenzellen zurück und wartet oft jahrelang auf eine Gelegenheit, erneut auszubrechen. Besonders Menschen mit geschwächter Immunabwehr oder im höheren Lebensalter sind gefährdet.

Die Erkrankung ist nicht nur aufgrund der akuten Beschwerden problematisch. Häufig bleibt nach Abheilen des Ausschlags ein anhaltender Nervenschmerz – die sogenannte postzosterische Neuralgie – zurück, der Wochen bis Monate, manchmal sogar dauerhaft bestehen kann. In schweren Fällen kann Gürtelrose das Auge oder Ohr betreffen und bleibende Schäden wie Erblindung oder Taubheit verursachen. Menschen mit Immunschwäche sind zudem gefährdet, dass das Virus innere Organe angreift und lebensbedrohliche Komplikationen auslöst.

Wer sollte sich gegen Gürtelrose impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung allen Menschen ab 60 Jahren. Für Personen ab 50 Jahren, die aufgrund von Vorerkrankungen wie Diabetes oder wegen einer geschwächten Immunabwehr – etwa durch eine Krebstherapie oder immunsuppressive Medikamente – ein erhöhtes Risiko haben, gilt die Empfehlung bereits ab 50. Auch Menschen ab 18 Jahren mit besonderer Risikosituation können sich immunisieren lassen, sollten dies aber individuell mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.

TEASER ZU IMPFSEITE

Der verwendete Totimpfstoff ist gut verträglich und eignet sich auch für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Er wird in zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten verabreicht. Der Impfstoff enthält eine spezifische Oberflächenstruktur des Virus, die das Immunsystem trainiert, sodass es bei einer Reaktivierung schneller und effektiver reagieren kann.

Pflege bei Gürtelrose: Phasen, Verlauf und wichtige Maßnahmen im Pflegealltag

Die Hand einer Frau trägt medizinische Salbe auf die mit Herpes Zoster bzw. Gürtelrose betroffenen Stellen am Rücken ihres Mannes auf.
shutterstock_2363371335_Gürtelrose_Impfung

Wie wirksam und sicher ist die Gürtelrose-Impfung?

Die Impfung bietet keinen vollständigen, aber einen sehr guten Schutz. Während ohne Impfung etwa ein Drittel aller Erwachsenen irgendwann im Leben an Gürtelrose erkrankt, sind es unter Geimpften lediglich drei von 100. Auch wenn es trotz Impfung zum Ausbruch kommt, verläuft die Erkrankung meist milder und mit geringerer Komplikationsrate. Ob eine Auffrischung notwendig ist, wird derzeit noch erforscht – der Impfschutz hält nach aktuellen Erkenntnissen mehrere Jahre.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle sowie gelegentlich Fieber oder Müdigkeit. Diese Beschwerden verschwinden meist nach wenigen Tagen wieder. Das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen ist sehr gering – der Nutzen der Impfung überwiegt laut Experten deutlich mögliche Risiken.

Viele fragen sich: Muss ich mich impfen lassen, wenn ich bereits Gürtelrose hatte? Die Antwort ist eindeutig: Ja, denn eine überstandene Erkrankung schützt nicht zuverlässig vor einem erneuten Ausbruch. Die Impfung kann helfen, weitere Episoden zu verhindern. Selbst wer sich nicht an eine Windpocken-Erkrankung erinnert, profitiert von der Impfung, denn das Risiko einer Reaktivierung besteht weiterhin.

Gürtelrose-Impfung Zusammengefasst

Die Gürtelrose-Impfung ist ein wichtiger Schritt, um sich vor den teils schweren Folgen der Erkrankung zu schützen – besonders für ältere Menschen und Risikopatienten. Sie senkt das Risiko einer Gürtelrose deutlich und hilft, langanhaltende Schmerzen und Komplikationen zu vermeiden. Auch wer bereits an Gürtelrose erkrankt war, kann durch eine Impfung weiteren Ausbrüchen vorbeugen. Neben der Prävention spielt die richtige Pflege während und nach einer Gürtelrose eine entscheidende Rolle: Sanfte Hautpflege, das Vermeiden von Kratzen und gezielte Maßnahmen gegen Juckreiz fördern die Heilung und helfen, Narben zu verhindern. Bei anhaltenden Beschwerden oder Komplikationen ist es ratsam, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Insgesamt gilt: Wer sich impfen lässt und die Pflegeempfehlungen beachtet, kann sowohl die Erkrankung als auch deren Folgen wirksam begrenzen und die Lebensqualität nachhaltig verbessern.

]]>
Pflege bei Gürtelrose: Phasen, Verlauf und wichtige Maßnahmen im Pflegealltag https://www.korian.de/ratgeber-magazin/pflege-bei-guertelrose-phasen-verlauf-und-wichtige-massnahmen-im-pflegealltag/ Fri, 21 Nov 2025 12:52:51 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=65610

Gürtelrose verlangt im Pflegealltag besondere Aufmerksamkeit. Die Erkrankung durchläuft verschiedene Stadien, bringt typische Beschwerden mit sich und erfordert gezielte Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Ein strukturierter Pflegeansatz hilft, Komplikationen vorzubeugen und Heilungsprozesse zu fördern. Gürtelrose, auch als Herpes zoster bekannt, ist vor allem im Alter oder bei geschwächtem Immunsystem eine häufige und herausfordernde Infektionskrankheit. Die richtige Pflege, abgestimmt auf die einzelnen Phasen des Krankheitsverlaufs, trägt entscheidend dazu bei, Schmerzen zu lindern, Infektionen zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Eine angepasste Hygiene im Umgang mit Betroffenen ist für den Schutz anderer Menschen im Pflegeumfeld unerlässlich.

Verlauf und Phasen einer Gürtelrose

Die Gürtelrose entsteht durch die Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus, das nach einer Windpocken-Infektion lebenslang im Körper verbleibt. Bei geschwächter Abwehr kann das Virus erneut aktiv werden. Der Verlauf der Erkrankung gliedert sich meist in drei Hauptphasen:

Vorstadium (Prodromalphase) der Gürtelrose:

Vor dem typischen Hautausschlag treten häufig Symptome wie Schmerzen, Kribbeln, Brennen oder Juckreiz in dem Bereich auf, in dem später die Bläschen entstehen. Diese Phase kann bis zu einer Woche dauern und geht oft mit allgemeinem Unwohlsein oder leichtem Fieber einher.

Akute Phase der Gürtelrose:

Es bildet sich ein typischer, meist einseitiger, gürtelförmiger Hautausschlag aus roten Flecken und Bläschen entlang eines Hautnervs. Die Bläschen sind mit infektiösem Sekret gefüllt. Begleitsymptome wie Fieber, Müdigkeit oder Kopfschmerzen sind möglich. In dieser Phase ist das Risiko einer Ansteckung für andere erhöht.

Krustenbildung und Heilung:

Nach einigen Tagen bis Wochen trocknen die Bläschen aus, es bilden sich Krusten. Die Schmerzen nehmen in diesem Stadium meist ab, aber die vollständige Heilung der Haut kann Zeit in Anspruch nehmen. Bei starkem Juckreiz oder Kratzen besteht die Gefahr von Narbenbildung.

Der gesamte Krankheitsverlauf dauert bei Erwachsenen ohne Komplikationen in der Regel zwei bis vier Wochen. Bei Kindern und jungen Menschen verläuft die Erkrankung meist unkomplizierter.

Behandlung und pflegerische Maßnahmen

Die Therapie der Gürtelrose basiert auf einer Kombination aus antiviralen Medikamenten, Schmerzbehandlung und symptomlindernden Maßnahmen. Antivirale Medikamente hemmen die Virusvermehrung und verkürzen die Krankheitsdauer. Schmerzmittel sowie kühlende oder juckreizstillende Lotionen helfen, die Beschwerden zu lindern.

Zur Unterstützung der Heilung und Vorbeugung von Komplikationen ist eine sorgfältige Beobachtung des Allgemeinzustands unerlässlich. Warnsignale wie bakterielle Infektionen (z. B. zunehmende Rötung, Eiterbildung und verstärkter Schmerz), Augenbeteiligung mit Sehstörungen und starken Augenschmerzen oder neurologische Symptome wie Lähmungen, Schwindel oder starke, anhaltende Nervenschmerzen erfordern eine unmittelbare ärztliche Abklärung.

Gürtelrose-Impfung: Warum sie sinnvoll ist und wer sich schützen sollte

Jemand bekommt von jemandem, der Handschuhe trägt eine Spritze bzw. Gürtelrose-Impfung (oder Herpes zoster) in den Oberarm; Nahaufnahme.

Hygiene und Infektionsschutz im Pflegealltag

Im Umgang mit Gürtelrose sind strenge Hygienemaßnahmen unverzichtbar, um eine Übertragung auf andere zu verhindern:

  • Beim Kontakt mit Bläschen oder ausgeschiedenem Sekret empfiehlt sich das Tragen von Einmalhandschuhen.
  • Gründliche Händedesinfektion nach jeder Pflegemaßnahme, auch nach dem Ausziehen der Handschuhe und beim Wechsel von Bettwäsche oder Kleidung, ist wichtig.
  • Die betroffenen Hautstellen werden nicht gewaschen, sondern ausschließlich gemäß ärztlicher Anweisung versorgt.
  • Während der akuten Krankheitsphase sollten Einmalwaschlappen und -handtücher verwendet und nach Gebrauch entsorgt werden.
  • Waschbecken und andere benutzte Utensilien sind nach jeder Verwendung zu desinfizieren.
  • Ein atmungsaktiver, leichter Verband über den betroffenen Hautarealen reduziert das Risiko einer Virusverbreitung, solange die Bläschen nicht verkrustet sind.

Eine vollständige Isolierung ist meist nicht erforderlich. Dennoch ist der Kontakt zu Kindern, Schwangeren, immunschwachen Personen oder Menschen ohne Windpockenimmunität während der aktiven Bläschenphase möglichst zu vermeiden. Pflegekräfte ohne Windpockenimmunität oder Herpes-zoster-Impfung sollten während der akuten Phase keine direkten Pflegetätigkeiten übernehmen, um eine eigene Ansteckung zu vermeiden.

Bei Gürtelrose kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, insbesondere bei älteren und immungeschwächten Menschen. Häufigste Folge ist die Postzoster-Neuralgie – ein langanhaltender Nervenschmerz, der auch nach Abheilung des Hautausschlags bestehen bleibt. Seltener treten Entzündungen der Augen, Ohren oder innerer Organe auf. Eine frühzeitige medikamentöse Behandlung und gezielte Schmerztherapie tragen entscheidend dazu bei, Komplikationen zu verhindern.

Korian_1050_Wuppertal_2022_06_08_3912

Pflege bei Gürtelrose – zusammengefasst

Die Erkrankung kann für Betroffene eine erhebliche Belastung darstellen, insbesondere bei anhaltenden Schmerzen oder Einschränkungen im Alltag. Unterstützende und empathische Begleitung, die auch psychosoziale Bedürfnisse berücksichtigt, fördert Wohlbefinden und Genesung. Eine strukturierte und hygienische Pflege ist bei Gürtelrose entscheidend, um Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Wer die Phasen der Erkrankung kennt und gezielte Maßnahmen umsetzt, fördert die Heilung und schützt andere vor Ansteckung. Empathische Begleitung und frühzeitige medizinische Hilfe verbessern die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig.

]]>
Pflege bei Schluckstörung (Dysphagie) https://www.korian.de/ratgeber-magazin/pflege-bei-schluckstoerung-dysphagie/ Fri, 21 Nov 2025 11:29:15 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=65627

Schluckstörungen – in der Medizin Dysphagie genannt – kommen im Alter und vor allem bei Erkrankungen wie Parkinson oder nach einem Schlaganfall häufig vor. Etwa fünf Millionen Menschen sind in Deutschland betroffen. Beim Schlucken rutscht Essen oder Trinken nicht zuverlässig in die Speiseröhre. Teile der Lebensmittel können zum Beispiel in die Luftröhre geraten, Husten auslösen und im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung verursachen.
Wer früh handelt, kann dadurch oft einem Mangel an Nahrung und Flüssigkeit vorbeugen. Die wichtigste Frage lautet: Wie kann man Betroffenen im Alltag helfen?

Was ist Dysphagie?

Schlucken – darüber machen sich die meisten keine Gedanken. Erst, wenn es nicht so gut klappt, fällt auf, wie komplex der Schluck-Vorgang ist. Jeden Tag schluckt eine erwachsene Person bis zu 2000 Mal. Mehr als 25 Muskelpaare sind am Schlucken beteiligt. Dabei laufen fünf Schritte ab: Erst bereitet man sich auf die Nahrungsaufnahme vor, setzt sich z. B. aufrecht hin. Im zweiten Schritt führt man die Nahrung zu, also beispielsweise über einen Löffel. Jetzt beginnen die entscheidenden Schritte drei bis fünf in Mund, Rachen und Speiseröhre. Wenn einer dieser Schritte nicht klappt, bleibt zum Beispiel Essen im Mund, der Schluckreflex startet zu spät, Flüssigkeit oder Speisen gelangen in die Atemwege.

Typische Anzeichen einer Schluckstörung sind häufiges Verschlucken, Husten oder eine nasse, gurgelnde Stimme nach dem Schlucken. Ohne entsprechende Maßnahmen können Lungenentzündungen, Gewichtsverlust, Mangelernährung und eine Unterversorgung mit Flüssigkeit drohen.

Ärztinnen und Ärzte sowie die Logopädie klären ab, welche Ursachen hinter der Störung stecken und welche Art der Nahrungsaufnahme sicher geht. Es kann sinnvoll sein, die Umgebung, die Körperhaltung, Konsistenzen der Mahlzeiten und Abläufe beim Essen anzupassen.

Woran lässt sich Dysphagie erkennen?

Eine Dysphagie ist nicht immer offensichtlich, gerade das macht sie gefährlich für Betroffene. Mehrere Signale können aber darauf hinweisen: Husten oder Räuspern beim Essen, sehr langes Kauen, winzige Bissen, Essen sammelt sich in den Wangen, Flüssigkeit läuft aus dem Mundwinkel. Manche Menschen wirken ängstlich beim Essen, vermeiden Mahlzeiten. Häufige Atemwegsinfekte können auch ein Hinweis sein.

Ein kleines Notizbuch hilft: Was wurde gegessen oder getrunken, in welcher Form, was passierte danach? Diese Beobachtungen erleichtern die Behandlung und Ärztinnen und Ärzte können den Schweregrad der Schluckstörung besser diagnostizieren.

Ursachen einer Schluckstörung

Häufig ist ein Schlaganfall der Grund für eine Dysphagie: Eine von vier Personen hat nach einem Schlaganfall auf Dauer eine Schluckstörung. Auch Parkinson, Multiple Sklerose, Demenz oder Muskelerkrankungen können zur Entstehung von Schluckstörungen beitragen. Nach Operationen oder Bestrahlungen im Kopf Hals Bereich kann Narbengewebe stören.

Im Alter nehmen Muskelkraft und Gefühl im Mund-Rachen-Raum manchmal ab. Schlechtsitzende Prothesen oder Zahnprobleme erschweren das Kauen. Manche Medikamente trocknen den Mund aus. In einigen Fällen steckt ein Problem der Speiseröhre hinter der Schluckstörung, etwa bei Entzündungen, starkem Sodbrennen oder einer Bewegungsstörung. Eine genaue ärztliche und logopädische Abklärung ist immer der Startpunkt für entsprechende Maßnahmen.

Welche Folgen drohen ohne Hilfe?

Wer sich oft verschluckt, kann Essen oder Flüssigkeit in die Lunge bekommen, eine sogenannte Aspiration. Das erhöht das Risiko für Lungenentzündungen. Weitere mögliche Warnzeichen: Das Gewicht fällt, die Haut heilt schlechter, Betroffene müssen seltener Wasserlassen. Viele ziehen sich zurück, weil Essen Angst macht oder es unangenehm ist, vor anderen die Probleme beim Schlucken zu offenbaren.

Pflege bei Dysphagie: Was hilft im Alltag?

Eine sichere Haltung macht den Anfang. Aufrecht sitzen, beide Füße auf dem Boden, Becken und Rücken stabil – so arbeitet die Schluckmuskulatur meist effizient. Ebenso wichtig: eine ruhige Umgebung ohne Hektik, das unterstützt die Konzentration. Nach dem Essen am besten eine gute halbe Stunde aufrecht bleiben, damit nichts zurückfließt.

Je nach Schwere muss auf die richtige Konsistenz der Nahrung geachtet werden. Getränke lassen sich mit Pulver andicken – von „nektarartig“ bis „löffelfest“. Speisen können weichgekocht, passiert oder püriert werden. Dabei sollte man, wenn es nötig ist, nicht zurückschrecken und sich trauen, auch Mahlzeiten aus festen Komponenten zu pürieren.

Gemischte Konsistenzen wie Suppe mit Stückchen, krümelige oder faserige Speisen sind tückisch. Helfen können auch: kleine Löffel, kleine Bissen und kurze Pausen. Temperatur und Geschmack dürfen variieren: kalt, warm, süß, salzig oder etwas sauer – alles ist möglich. Vor jedem neuen Bissen prüfen: Ist der Mund leer? Bei Resten gegebenenfalls nochmal schlucken. Mehrere kleine Mahlzeiten sind günstiger als wenige große.

Mundpflege ist wichtig: Zähne – falls nichts dagegen spricht- zwei bis dreimal täglich putzen, Prothesen reinigen und den Sitz prüfen. So sinkt die Keimzahl im Mund und das Risiko, beim Verschlucken Keime in die Lunge zu bekommen – die wiederum eine Lungenentzündung begünstigen. Nach ärztlicher Rücksprache können bei trockener Mundschleimhaut einfache Maßnahmen wie etwa zuckerfreie Lutschpastillen oder Speichelersatzsprays helfen.

Trinken bleibt wichtig. Lieblingsgetränke gegebenenfalls andicken. Wer in Listen Essen, Trinken und Gewicht dokumentiert, erkennt früh, wenn etwas kippt. Das ermöglicht, rechtzeitig gegenzusteuern: zum Beispiel mit energiereichen, weichen Speisen, Smoothies in sicherer Konsistenz oder ergänzender Beratung durch Ernährungsexpertinnen und experten.

Und Achtung: Tabletten bitte nicht ohne Rücksprache zerkleinern. Retard- oder magensaftresistente Formen verlieren Wirkung oder führen zu Nebenwirkungen. Ärztinnen und Ärzte oder Apotheken wissen, was möglich ist und welche Alternativen es gegebenenfalls gibt.

Essen im Alltag gestalten

Ein fester Rhythmus mit kleinen, überschaubaren Mahlzeiten nimmt den Druck aus dem Essensprozess. Lieblingsgerichte lassen sich oft neu denken – als weiche, passierte oder pürierte Variante. Hilfsmittel wie rutschfeste Unterlagen, Becher mit Ausguss und gut geformte Löffel erleichtern eventuell den Umgang. Hier sollte man vorher aber Rücksprache mit dem Behandlungsteam halten. Reicht im Extremfall die Nahrungsaufnahme über den Mund nicht aus, prüfen Ärztinnen und Ärzte und Logopädie, ob vorübergehend eine Ernährung über Sonde nötig ist. Ziel bleibt: so viel Essen und Trinken über den Mund wie möglich – so sicher wie nötig.

Essen bei Schluckstörungen (Dysphagie)

Pflegekraft unterstützt älteren Mann beim Essen im Pflegeheim, barrierefreies Essen bei Schluckstörungen

Warnzeichen bei Schluckstörungen – sofort handeln

Akute Atemnot, anhaltender starker Husten, blau gefärbte Lippen, hohes Fieber oder ein plötzlicher Leistungsabfall sind Alarmzeichen. Dann umgehend ärztlich abklären lassen und bei schweren Beschwerden den Rettungsdienst rufen. Wiederkehrende Lungenentzündungen, schneller Gewichtsverlust oder wenn Betroffene deutlich weniger trinken, gehören ebenfalls rasch abgeklärt.

Pflege bei Schluckstörungen – ein Fazit

Pflegemaßnahmen bei Schluckstörungen wirken am besten in Kombination: ruhige Esssituation, sichere Sitzhaltung, passende Konsistenzen, sorgfältige Mundpflege und klare Abläufe. Regelmäßig beobachten: Ändert sich das Ess- oder Trinkverhalten? Treten neue Symptome auf? Dann nicht zögern und in die ärztliche Praxis gehen. Hausarztpraxis, Logopädie und Ernährungsberatung helfen, Komplikationen wie Lungenentzündung, Mangelernährung und Austrocknung zu verhindern. So bleibt Essen trotz Dysphagie möglich und würdevoll.

FAQs zum Thema Schluckstörungen (Dysphagie)

Was ist eine Schluckstörung (Dysphagie)?

Dysphagie ist der medizinische Fachbegriff für Schluckstörungen. Dabei gelangt Nahrung oder Flüssigkeit nicht zuverlässig in die Speiseröhre – stattdessen kann sie in die Luftröhre geraten, was gefährlich ist.

Wie entstehen Schluckstörungen?

Ursachen sind oft neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose. Auch Demenz, Muskelschwäche, schlecht sitzende Prothesen oder Mundtrockenheit durch Medikamente können eine Rolle spielen.

Woran erkennt man eine Schluckstörung?

Typische Anzeichen sind häufiges Husten oder Räuspern beim Essen, sehr langes Kauen, winzige Bissen, Flüssigkeit läuft aus dem Mund, oder die Stimme klingt nach dem Schlucken „gurgelnd“. Auch Angst beim Essen oder wiederkehrende Atemwegsinfekte können Hinweise sein.

Welche Folgen hat eine unbehandelte Schluckstörung?

Ohne Unterstützung kann es zu Aspirationen (Eindringen von Nahrung in die Lunge), Lungenentzündungen, Gewichtsverlust, Mangelernährung und Dehydrierung kommen. Außerdem vermeiden viele Betroffene das Essen aus Angst vor dem Verschlucken, was die Situation weiter verschlechtern kann.

Wie unterstützt man Menschen mit Dysphagie im Alltag?
  • Aufrechte Sitzposition beim Essen (Füße auf dem Boden, ruhige Umgebung)

  • Angepasste Nahrungskonsistenz: weich, püriert oder angedickt

  • Kleine Bissen, Pausen zwischen den Happen

  • Nach dem Essen etwa 30 Minuten aufrecht bleiben

  • Regelmäßige Mundpflege, um Keime zu reduzieren

  • Flüssigkeiten bei Bedarf andicken

Wie können Menschen mit Schluckstörungen Tabletten sicher einnehmen?

Tabletten dürfen nicht eigenmächtig zerkleinert werden – Retard- oder magensaftresistente Formen können dadurch ihre Wirkung verlieren oder Nebenwirkungen verursachen. Ärztinnen, Ärzte oder Apotheker beraten, welche Alternativen sicher sind.

Wann ist eine Schluckstörung gefährlich und wann muss man zum Arzt?

Bei akuter Atemnot, starkem Husten, blauen Lippen, Fieber, plötzlichem Leistungsabfall, wiederkehrenden Lungenentzündungen oder starkem Gewichtsverlust ist sofort ärztliche Abklärung nötig – im Notfall den Rettungsdienst rufen.

Quellen:

Dziewas R., Pflug C. et al., Neurogene Dysphagie, S1-Leitlinie, 2020, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 23.09.2025). https://dnvp9c1uo2095.cloudfront.net/cms-content/030-111l_Neurogene-Dysphagie_2020-05_verlaengert_1706187793210.pdf

Deutscher Bundesverband für Logopädie (dbl): Schluckstörung (Dysphagie). https://www.dbl-ev.de/fachwissen-logopaedie/schluckstoerung-dysphagie/

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Essen und Trinken bei Kau- und Schluckstörungen im Alter. https://www.fitimalter-dge.de/fileadmin/user_upload/medien/Essen_und_Trinken_bei_Kau_und_Schluckstoerung_im_Alter.pdf

https://www.pflege.de/krankheiten/dysphagie-schluckstoerung/

https://www.uniklinikum-jena.de/hno/Schlagwörter/Schluckstörungen.html#:~:text=Von%20einer%20Schluckstörung%20spricht%20man,zu%20verdursten%20oder%20zu%20verhungern.

https://www.dysphagiezentrum.de/dysphagie-was-ist-das/phasen-des-schluckvorgangs/

]]>
Essen bei Schluckstörungen (Dysphagie) https://www.korian.de/ratgeber-magazin/essen-bei-schluckstoerungen-dysphagie/ Fri, 21 Nov 2025 11:28:29 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=65869

Eine Schluckstörung – medizinisch Dysphagie – verändert den Ess- und Trinkalltag stark. Essen soll satt und zufrieden machen, darf aber nicht in die Atemwege geraten. Der richtige Umgang mit Konsistenzen, Gewürzen, Temperaturen und der Umgebung hilft, Mahlzeiten ruhiger und sicherer zu gestalten. Von der Lebensmittelauswahl über Andicken bis zu individuellen Besonderheiten, etwa nach einem Schlaganfall oder bei Demenz – so gelingt Essen mit einer Schluckstörung.

Worauf kommt es beim Essen bei Schluckstörungen an?

Ziel ist: Betroffene einer Schluckstörung sollen Nahrung im Mund gut verarbeiten. Der Schluckreflex soll zuverlässig einsetzen und Speisen sollen in die Speiseröhre gleiten. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von weichen, homogenen Konsistenzen, die sich leicht schlucken lassen. Flüssigkeiten benötigen oft eine angepasste Dicke, damit sie nicht in die Luftröhre geraten. Struktur, klare Abläufe und eine ruhige Umgebung unterstützen zusätzlich. Ein interdisziplinäres Team aus Hausarztpraxis, Logopädie, Ernährungstherapie und Pflegepersonal legt fest, was jeder und jede Betroffene am besten verzehren kann.

Grundregeln beim Essen bei Schluckstörungen

Die Sicherheit beim Essen geht vor. Was nicht bedeutet, dass der Geschmack darunter leiden sollte. Im Gegenteil: Geschmack motiviert Betroffene einer Schluckstörung, ausreichend Nährstoffe aufzunehmen, die wiederum leistungsfähig halten. Weich gegarte, fein zerkleinerte oder pürierte Speisen sind gut geeignet, wenn sie formbar, glatt und keine krümeligen oder faserigen Bestandteile enthalten. Wichtig: Pro Bissen immer nur eine Konsistenz anbieten. Heißt, entweder glatt und püriert oder weich und stückig – Mischformen wie Suppe mit Gemüse- oder Fleischstückchen sind riskant.

Die Getränke werden mit Andickungspulver auf die verordnete Stufe gebracht, zum Beispiel „nektarartig“, „honigartig“ oder „löffelfest“. Ansonsten setzten Temperatur und Aroma gezielte Reize: leicht kühl, angenehm warm, ein Hauch Zitrone oder eine Prise Salz. Kleine Bissen, kleine Schlucke, kurze Pausen und ein leerer Mund vor dem nächsten Happen erhöhen die Sicherheit.

Pflege bei Schluckstörung (Dysphagie)

Eine Pflegerin füttert eine Seniorin mit Schluckstörungen (Dysphagie) im Pflegeheim

Welche Lebensmittel eignen sich?

Geeignet sind meist Gerichte, die sich zu einem homogenen, glatten Brei verarbeiten lassen oder von Natur aus weich sind. Dazu zählen fein pürierte Eintöpfe und Gemüsesuppen ohne Stücke, cremiger Kartoffel oder Süßkartoffelstampf, weich gekochte Nudeln mit fein passierter Sauce, zart gegarter Fisch oder Geflügel, die anschließend fein zerkleinert und mit Sauce gebunden werden. Genauso liefern Joghurt, Quarkcremes, Pudding, Grießbrei oder Kompott (püriert) Energie und sind schnell zubereitet. Obst und Gemüse kommen am besten geschält, weich gegart und fein passiert auf den Teller. Fett ist ein Geschmacksträger und macht Breie geschmeidiger: etwas Pflanzenöl, Butterflocken, Sahne oder Frischkäse verbessern Konsistenz und Kaloriendichte.

Weniger geeignet sind trockene, krümelige oder faserige Speisen wie trockenes Brot, Blattsalate, Rohkost, Reiskörner, körniger Frischkäse, Nüsse und Samen, zähes Fleisch, Apfel- oder Ananasstücke. Doppelkonsistenzen – zum Beispiel Cornflakes in Milch, Obststücke im Joghurt, Suppen mit Einlage – erhöhen das Risiko, sich zu verschlucken.

Richtig Andicken

Andickungspulver etwa auf Basis von Stärke oder Xanthan machen die Getränke zähflüssiger. Xanthan ist widerstandsfähiger gegen bestimmte Stoffe im Speichel, die dazu führen, dass Lebensmittel, die mit Pulvern nur aus Stärke angedickt sind, bereits im Mund wieder dünnflüssiger werden. Die genaue Dicke richtet sich nach der Empfehlung der Logopädie. Kalte und warme Getränke verhalten sich unterschiedlich, auch Säure und Eiweiß (z. B. Milch) verändern die Dicke. Für den Alltag hilft eine kleine Tabelle: wie viele Messlöffel führen in welchem Getränk zu welcher Dicke. Wichtig: Dicke Getränke nicht mit normalem Wasser nachspülen.

Mangelernährung vorbeugen

Wer langsam isst oder schneller satt wird, braucht Mahlzeiten mit einer hohen Energiedichte. Sie lässt sich steigern, ohne das Volumen stark zu erhöhen: Etwa mit Pflanzenölen, Butter, Sahne, Nussmusen (in pürierter Form), Frischkäse oder Maltodextrin. Eiweißquellen wie Joghurt, Quark, Skyr, weiches Rührei, fein zerkleinerter Fisch oder Geflügel sowie pürierte Hülsenfrüchte (Linsencreme, Hummus) sind wichtig für Muskeln und Immunsystem. Süße Varianten – Grießbrei, Pudding, Quarkspeisen – eignen sich als Zwischenmahlzeiten. Bei starkem Gewichtsverlust oder Appetitmangel kommen ergänzende Trinknahrungen in individuell sicherer Dicke infrage. Auswahl und Konsistenz sollten ärztlich bzw. über die Ernährungstherapie abgestimmt werden.

Essen nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall kann das Schlucken ebenfalls problematisch oder unkoordiniert sein. Eine sichere Sitzposition, kleine Bissen und klar strukturierte Mahlzeiten sind dann sehr wichtig. Speisen sollten formstabil, glatt und gut gleitfähig sein. Flüssigkeiten werden auf die verordnete Stufe angedickt. Je nach logopädischer Empfehlung helfen Haltungsstrategien wie eine leichte Vorneigung des Kopfes. Jede Mahlzeit bedeutet Anstrengung. Da empfiehlt es sich oft, mehrere kleine Mahlzeiten zu servieren. Medikamente sollte man nicht eigenmächtig zerkleinern, sondern immer vorher absprechen, was möglich ist. Ärztinnen und Ärzte oder Apotheken können je nach Arznei auch flüssige Alternativen oder Schmelztabletten verschreiben. Beim Essen sollte man Hustenereignisse, Essmengen und Gewicht dokumentieren, um zu sehen, ob die Ernährungsform passt.

Pflege nach einem Schlaganfall  – Ein Leitfaden für Angehörige

Korian_1074_Salzgitter_2022_07_07_4977_Schlaganfall

Essen bei Demenz

Bei Demenz wirken Routinen: Feste Esszeiten, vertraute Düfte und wiederkehrende Lieblingsspeisen beruhigen. Fingerfood kann sinnvoll sein, wenn das Besteck Probleme macht – aber nur, wenn sich Fingerfood sicher weich und homogen herstellen lässt. Zum Beispiel pürierte Kost, die zu formstabilen „Häppchen“ verarbeitet wird. Klare Teller, wenig Ablenkung und kurze, ruhige Hinweise erleichtern die Mahlzeit. Die Getränke sollte man in sicherer Dicke bereitstellen in einem Becher mit gut greifbarem Henkel. Bei Unruhe sind kleine Portionen, häufigere Pausen und eine ruhige Begleitung besonders wichtig.

 

Kleine Mahlzeiten & Pausen

Die Ess-Situation entscheidet mit. Der oder die Betroffene sollte aufrecht sitzen und die Füße möglichst stabil im Boden verankern. Der Tisch sollte eine angepasste Höhe haben und das Geschirr ist rutschfest. Vor Beginn kurz erinnern: kleine Bissen, langsam essen, bewusst schlucken. Zwischen den Happen kurze Pausen machen und prüfen, ob der Mund schon leer ist. Nach dem Essen im Idealfall 20–30 Minuten aufrecht bleiben. Wer schnell ermüdet, profitiert von 5–6 kleineren Mahlzeiten statt drei großen. Und die Essbiografie nutzen: vertraute Aromen, Kindheitsdüfte, -gerichte und Lieblingsgewürze steigern den Appetit.

Typische Ess-Fallen – und bessere Lösungen

Problem: Suppe mit Einlage – Stücke schwimmen in dünner Flüssigkeit.
Besser: die ganze Suppe passieren und bei Bedarf andicken.

Problem: Brot mit Rinde – trocken und krümelig.
Besser: weiches Brot ohne Rinde in Sauce tauchen oder fein pürieren.

Problem: Obststücke im Joghurt – doppelte Konsistenz.
Besser: Obst und Joghurt gemeinsam fein pürieren.

Problem: Mit Wasser nachspülen.
Besser: jeden Schluck, jeden Bissen vollständig schlucken, dann erst den nächsten.

 

Sicher essen bei Dysphagie – ein Fazit

Sicher essen bei Dysphagie gelingt, wenn Textur, Geschmack und Ablauf zusammenpassen. Weiche, homogene Speisen, korrekt angedickte Getränke, kleine Bissen und eine ruhige Umgebung senken das Risiko fürs Verschlucken. Energie- und eiweißreiche Mahlzeiten helfen gegebenenfalls, Mangelernährung vorzubeugen. Besondere Situationen – nach Schlaganfall oder bei Demenz – erfordern zusätzliche Struktur und einfache, wiederholbare Schritte. So bleiben Genuss, Sicherheit und ausreichende Versorgung im Gleichgewicht.

Häufige Fragen zum Thema Schluckstörungen (Dysphagie)

1. Was sind typische Symptome einer Schluckstörung (Dysphagie)?

Zu den häufigsten Symptomen zählen deutliche Verzögerungen beim Schluckvorgang, Husten oder Würgen beim Essen und das Zurückbleiben von Nahrungsresten im Mund. Auch eine veränderte Stimme nach dem Schlucken und häufige Atemwegsinfektionen können darauf hindeuten.

2. Worauf sollte man beim Essen mit Schluckstörung besonders achten?

Eine aufrechte Sitzposition, kleine Bissen, gezielte Pausen zwischen den Happen und das richtige Andicken von Getränken sind entscheidend für mehr Sicherheit. Das Essen sollte frei von groben, krümeligen oder faserigen Zutaten sein und möglichst homogen verarbeitet werden.

3. Welche Lebensmittel eignen sich besonders bei Dysphagie?

Geeignet sind weiche, fein pürierte Speisen wie Kartoffel- oder Gemüsebrei, pürierte Eintöpfe, weich gekochte Nudeln, Joghurt, Quark und Pudding. Fett wie Butter oder Öl sorgt für eine geschmeidige Konsistenz und mehr Energie.

4. Wie kann Mangelernährung bei Schluckstörungen vermieden werden?

Der Energiegehalt kann durch die Zugabe von Sahne, Pflanzenölen, Butter oder Frischkäse erhöht werden. Auch angedickte Trinknahrungen oder proteinreiche Breie wie Joghurt, Skyr oder Hummus sind hilfreich.

5. Was sind typische Ess-Fallen bei Schluckstörungen und wie kann man sie vermeiden?

Fallen wie Suppen mit Einlage, krümeliges Brot oder doppelte Konsistenzen (Obststücke im Joghurt) erhöhen das Risiko fürs Verschlucken. Besser ist es, alle Bestandteile homogen und glatt zu pürieren und für jeden Bissen nur eine Konsistenz anzubieten.

]]>
Was sind Schmerzen – Akuter vs. chronischer Schmerz https://www.korian.de/ratgeber-magazin/was-sind-schmerzen-akuter-vs-chronischer-schmerz/ Tue, 18 Nov 2025 09:49:45 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=65812

Schmerzen sind Warnsignale des Körpers, die auf eine Verletzung, Erkrankung oder andere Belastungen hinweisen. Sie können akut oder chronisch sein und aus verschiedenen Ursachen entstehen, zum Beispiel durch Verletzungen, chronische Krankheiten oder Entzündungen. Wenn Sie Schmerzen haben, ist das ein Signal, dass etwas nicht in Ordnung ist – und es ist wichtig, darauf zu hören.

Was sind akute Schmerzen?

Akuter Schmerz ist eine plötzlich auftretende, meist zeitlich begrenzte Schmerzempfindung, die als Warnsignal des Körpers dient. Er zeigt an, dass etwas nicht in Ordnung ist – zum Beispiel eine Verletzung, Entzündung oder Erkrankung. Er macht aufmerksam, dass der Körper Hilfe braucht.

Typische Ursachen

Typische Ursachen für Schmerzen sind Verletzungen wie Schnitte, Prellungen oder Knochenbrüche, Entzündungen etwa des Zahnfleischs oder des Blinddarms, Operationen sowie akute Erkrankungen wie Migräneanfälle oder plötzliche Rückenschmerzen.

Verletzungen (z. B. Schnitt, Prellung, Knochenbruch)

Entzündungen (z. B. Zahnfleischentzündung, Blinddarmentzündung)

Operationen

akute Erkrankungen (z. B. Migräneanfall, akuter Rückenschmerz)

Funktion

Die Funktion von Schmerz besteht vor allem darin, den Körper vor weiteren Schäden zu warnen. Er sorgt dafür, dass man das betroffene Körperteil automatisch schont und so Belastungen vermeidet. Auf diese Weise unterstützt Schmerz die natürlichen Heilungsprozesse.

Dauer

Akuter Schmerz hält in der Regel nur so lange an, wie die Ursache besteht – also bis die Verletzung oder Entzündung heilt.
Wenn er länger als etwa drei bis sechs Monate andauert, spricht man nicht mehr von akutem, sondern von chronischem Schmerz.

Behandlung

Die Behandlung konzentriert sich zunächst auf die zugrunde liegende Ursache, also die Verletzung oder Erkrankung, die den Schmerz ausgelöst hat. Zusätzlich kann eine schmerzlindernde Therapie erfolgen, etwa durch Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente. Unterstützend wirken Maßnahmen wie Kühlung, Ruhigstellung oder Entspannung, die den Heilungsprozess fördern und das Schmerzempfinden weiter reduzieren können.

Beispiel:

Wenn Sie sich den Fuß verstauchen, schmerzt er sofort. Das ist akuter Schmerz – er signalisiert Ihnen, dass Sie den Fuß schonen sollten, damit das Gewebe heilen kann.

Eine junge Frau hat akute Zahnschmerzen und hält sich einen Eisbeutel gegen die Wange.

Was sind chronische Schmerzen?

Chronischer Schmerz ist ein langanhaltender oder immer wiederkehrender Schmerz, der über die normale Heilungszeit hinaus bestehen bleibt – also meist länger als drei bis sechs Monate. Anders als der akute Schmerz, der eine Warnfunktion hat, verliert der chronische Schmerz diese Funktion und wird zu einer eigenständigen Erkrankung.

Typische Ursachen

Chronische Schmerzen können viele Ursachen haben. Häufig entstehen sie im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen wie Arthrose, Rheuma oder Diabetes. Auch Nervenschädigungen – etwa durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Polyneuropathie – können dazu führen. Zudem können wiederkehrende Schmerzen wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen chronisch werden. In manchen Fällen bleiben Entzündungen über längere Zeit bestehen oder psychische Belastungen und Stress verstärken das Schmerzempfinden zusätzlich.

Chronische Erkrankungen (z. B. Arthrose, Rheuma, Diabetes)

Nervenschädigungen (z. B. Polyneuropathie, Bandscheibenvorfall)

wiederkehrende Schmerzen (z. B. Migräne, Spannungskopfschmerz)

andauernde Entzündungen

psychische Belastungen oder Stress

Eigenschaften

Chronische Schmerzen bestehen über einen Zeitraum von mehr als drei bis sechs Monaten und entwickeln sich häufig zu einer eigenständigen Erkrankung. Sie sind oft nicht eindeutig lokalisierbar und werden von körperlichen, psychischen sowie sozialen Faktoren beeinflusst. Zudem führen sie häufig zu Erschöpfung, Schlafstörungen und depressiven Symptomen.

Behandlung

Da chronischer Schmerz komplex ist, wird er meist multimodal behandelt – also durch Kombination verschiedener Ansätze:

  • Medikamentöse Therapie: z. B. Schmerzmittel, Antidepressiva, Antikonvulsiva
  • Physiotherapie und Bewegungstherapie
  • Psychologische Unterstützung: Schmerzbewältigung, Entspannungstechniken
  • Selbstmanagement: Entspannung, Stressabbau, aktive Lebensgestaltung

Ziel der Behandlung ist nicht unbedingt vollständige Schmerzfreiheit, sondern eine bessere Lebensqualität, mehr Beweglichkeit und Aktivität und die Stärkung der Selbstwirksamkeit.

Schmerzmanagement für Betroffene: Ihr Ratgeber für mehr Wohlbefinden

Eine jüngere Frau hilft einer älteren Frau bei einer Übung mit den Armen zur Schmerzbewältigung

Unterschied chronischer und akuter Schmerz

Merkmal Akuter Schmerz Chronischer Schmerz
Definition Kurzzeitig auftretender Schmerz als Warnsignal des Körpers auf eine Verletzung oder Erkrankung Langanhaltender Schmerz, der über die normale Heilungszeit hinaus besteht (länger als 3–6 Monate)
Funktion Schutz- und Warnfunktion – signalisiert, dass etwas nicht in Ordnung ist Keine Warnfunktion mehr – Schmerz wird zur eigenständigen Krankheit
Dauer Kurzfristig, klingt mit Heilung der Ursache ab Dauerhaft oder wiederkehrend über Monate oder Jahre
Ursachen Akute Verletzung, Entzündung, Operation, akute Erkrankung Chronische Erkrankung (z. B. Arthrose, Rückenschmerzen, Nervenschäden), anhaltende Entzündung, psychische Faktoren
Behandlungsschwerpunkt Ursache behandeln (z. B. Wundheilung, Entzündungshemmung) Schmerzkontrolle und Lebensqualität verbessern (multimodales Schmerzmanagement)
Schmerzempfinden Entspricht meist der tatsächlichen Gewebeschädigung Schmerzempfinden kann bestehen, auch wenn keine akute Ursache mehr vorhanden ist
Psychische Auswirkungen Meist gering, da Schmerz nach Heilung verschwindet Häufig mit psychischer Belastung, Schlafstörungen oder Depressionen verbunden
Therapieansatz Kurzzeitige medikamentöse oder physikalische Therapie Kombination aus Medikamenten, Bewegung, Psychotherapie und Entspannungstechniken
Beispiel Zahnschmerz durch Karies, Schnittverletzung, Prellung Chronische Rückenschmerzen, Fibromyalgie, Nervenschmerzen, Migräne

Effektives Schmerzmanagement

Schmerzen erkennen und behandeln. Unser Flyer liefert kompakt praxisnahe Expertentipps für den Alltag.

Weibliche Betreuungsperson unterstützt älteren Mann mit Kopfschmerzen, symbolisch für Schmerzmanagement.
]]>
Schmerzmanagement für Betroffene: Ihr Ratgeber für mehr Wohlbefinden https://www.korian.de/ratgeber-magazin/schmerzmanagement-schmerzen-verstehen-und-lindern/ Tue, 18 Nov 2025 07:42:49 +0000 https://www.korian.de/?post_type=guide_magazine&p=65788

Wenn Sie regelmäßig Schmerzen spüren, kann das Ihr Leben erheblich beeinträchtigen. Doch Sie sind nicht allein – es gibt Wege, Ihre Schmerzen besser zu verstehen und aktiv dagegen vorzugehen. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, die wichtigsten Schritte zu kennen und Ihre Schmerzen gezielt zu managen.

Was sind Schmerzen und warum treten sie auf?

Schmerzen sind Warnsignale Ihres Körpers, die auf eine Verletzung, Erkrankung oder andere Belastungen hinweisen. Sie können akut oder chronisch sein und aus verschiedenen Ursachen entstehen, zum Beispiel durch Verletzungen, chronische Krankheiten oder Entzündungen. Wenn Sie Schmerzen haben, ist das ein Signal, dass etwas nicht in Ordnung ist – und es ist wichtig, darauf zu hören.

Wie Sie Schmerzen erkennen und erfassen können

Betroffene selbst wissen am besten, wie sie Schmerzen empfinden. Daher ist es wichtig, diese zu beobachten und zu dokumentieren. Das kann helfen, besser mit Ärzten und Pflegekräften zu sprechen und die Behandlung gezielt zu steuern.

Doch auch für die Beobachtung von außen als pflegende Person bei Pflegebedürftigen und bei alten Menschen, geben verschiedene Skalen Hilfestellung zur Schmerzerkennung und Einordnung.

Schmerzskalen: Werkzeuge zur Einschätzung

Es gibt verschiedene Skalen, die helfen, die Intensität von Schmerzen einzuschätzen:

  • Numerische Skala (0–10): Hierbei wird der Schmerz von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (stärkste Schmerzen) bewertet.
  • Gesichtsskala: Besonders bei Schwierigkeiten mit Worten ist das hilfreich, da anhand von Gesichtsausdrücken das Schmerzlevel angegeben werden kann.
  • Verbale Skala: Wählen Sie Begriffe wie „leicht“, „moderat“ oder „stark“ als Beschreibung.

Wenn Sie vor allem bei chronischen Schmerzen regelmäßig ein Schmerzprotokoll führen und mit Ihrem Behandlungsteam teilen, verbessern Sie die Zusammenarbeit und die Behandlungsergebnisse.

Korian_Schmerzskala_1_10

Schmerzerfassung bei Demenz

Bei Menschen mit Demenz ist es oft schwierig zu erkennen, ob sie Schmerzen haben. Häufig können sie nicht mehr genau sagen, was sie spüren oder wo es wehtut. Deshalb achten Pflegekräfte sowie An- und Zugehörige besonders auf körpersprachliche Signale, Veränderungen im Verhalten oder in der Stimmung. Solche Anzeichen können auf Schmerzen hinweisen.

Hierbei wird oft die sogenannte ECPA-Skala genutzt, bei der Pflegekräfte das Schmerzverhalten in verschiedenen Situationen bewerten. Das Ziel: frühzeitig Hinweise auf Schmerzen erkennen und angemessen darauf reagieren.

Umgang mit Schmerzen: Was Sie selbst tun können

  • Kommunikation: Erzählen Sie Ihren Ärzten und Pflegekräften ehrlich, wie die Schmerzen Sie beeinflussen, und nutzen Sie Schmerzskalen zur besseren Einschätzung.
  • Medikamentöse Behandlung: Nehmen Sie Medikamente genau nach Anweisung ein und sprechen Sie offen mit Ihren Ärzten, wenn Nebenwirkungen auftreten oder die Schmerzen nicht besser werden.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Entspannungsübungen, Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen oder Atemübungen können Ihre Schmerzen lindern.
  • Lebensstil: Achten Sie auf ausreichend Bewegung, ausgewogene Ernährung und genügend Ruhe, um Ihre Schmerzen besser zu bewältigen.
  • Selbstfürsorge: Unterstützen Sie sich selbst, indem Sie Aktivitäten machen, die Ihnen Freude bereiten, und sich regelmäßig Pausen gönnen.

Weiterführende Infos

Auf der Website der Deutschen Schmerzliga e.V. finden Betroffene weiterführende Informationen, Tipps zum Umgang mit Schmerzen und Hinweise auf Unterstützungsmöglichkeiten.

Wichtig für Sie: aktive Mitgestaltung

Ihr Schmerzmanagement ist ein gemeinsamer Prozess. Seien Sie aktiv beteiligt – dokumentieren Sie Ihre Schmerzen, stellen Sie Fragen und nehmen Sie an Entscheidungen teil. Das stärkt Ihre Selbstbestimmung und trägt dazu bei, Ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern.

Wenn Sie sich an diese Grundsätze halten, können Sie Ihre Schmerzen besser verstehen, kontrollieren und lindern. Es ist möglich, auch bei chronischen oder intensiven Schmerzen mehr Lebensqualität zu gewinnen.
Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem medizinischen und pflegerischen Team – gemeinsam können Sie einen passenden Plan entwickeln, der auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Flyer Schmerzmanagement

In unserem Flyer zum Expertenstandard Schmerzmanagement erhalten sie kompakte Tipps zum Erkennen und Behandeln von Schmerzen.

Weibliche Betreuungsperson unterstützt älteren Mann mit Kopfschmerzen, symbolisch für Schmerzmanagement.
]]>