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Gelebte Gemeinschaft in der Senioren-WG

01. August 2021

Gelebte Gemeinschaft in der Senioren-WG

Seit Mitte Februar lebt die 82-Jährige mit neun weiteren Personen in der Senioren-WG in Westerkappeln und hat diese Entscheidung nicht bereut. „Das WG-Leben kenne ich von meinen Kindern“, erzählt die gelernte Buchhalterin. „Als ich dann von der Senioren-WG hörte, fand ich die Idee spannend.“

Ich fühlte mich zu Hause nicht sicher

Gerda Schneider hat drei Kinder, fünf Enkel und bereits zwei Urenkel. Alle leben weiter weg, sie war viel alleine zu Hause. „Ich fühlte mich nicht sicher, hatte Panikattacken. Nach meinem letzten Krankenhausaufenthalt stand für mich fest, ich muss was ändern, und die WG war eine willkommene Alternative“, begründet sie ihre Entscheidung. Die Panikattacken sind seitdem nicht mehr aufgetreten.

Obwohl die Ibbenbürerin das Stadtleben stets schätzte, hat sie sich schnell an das beschauliche Leben in Westerkappeln gewöhnt. „Wir sind hier eine große Familie und es gefällt mir, mit verschiedenen Altersgruppen unter einem Dach zu leben“, sagt sie. „Manchmal sitzen wir abends alle zusammen und reden. Das hilft, uns gegenseitig zu verstehen, und wir fühlen uns dadurch miteinander verbunden. Denn eine Gemeinsamkeit verbindet uns: Wir alle sind krank und auf Unterstützung angewiesen. Der eine mehr, der andere etwas weniger.“ Künftig wird der Wohngruppe auch ein Hund angehören. Pflegedienstleiterin Rieke Lürsen bringt dann ihren Zwergdackel-Welpen „Hubertus“ mit zur Arbeit. Alle freuen sich auf den tierischen WG-Bewohner.

Ambulante Pflege-WG – Das Konzept

Raus aus der Schule und rein ins Studium oder in die Ausbildung. Für etliche junge Menschen beginnt mit diesem Schritt die Selbstständigkeit. Da Wohnungen teuer sind und in der neuen Umgebung Familie und Freunde fehlen, entscheiden sich viele dazu, in eine Wohngemeinschaft zu ziehen.

Ähnlich verhält es sich mit der Pflege-WG in Westerkappeln. Jedoch leben hier junge pflegebedürftige Menschen mit Senior:innen unter einem Dach. Es gibt drei Wohngemeinschaften: Zwei mit je neun Bewohnerzimmern und eine bis zu sechsköpfige WG für „junge Pflege“. Dazu zählen Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Für sie alle ist das WG-Modell eine kostengünstige Alternative zum regulären Pflegeheim.

WG-Leben in familiärer Atmosphäre

Die WG hat Anfang Januar eröffnet. Bisher sind neun Mieter:innen eingezogen, weitere haben sich schon angemeldet. „Unsere Kunden erhalten individuell auf sie abgestimmte Pflege und Betreuung in familiärer Atmosphäre“, beschreibt Leiterin Nicole Lücke-Möller das Konzept. „Wir schließen mit den Kunden einen Mietvertrag. Pflege, Betreuung und hauswirtschaftliche Leistungen können wie beim Ambulanten Dienst dazu gebucht werden.“ Einziehen können Senior:innen und andere Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad von 2 bis 5. Die im Durchschnitt 25 Quadratmeter großen Einzelzimmer dürfen die Mieter:innen ganz individuell gestalten. Die Betreuung werde rund um die Uhr gewährleistet. Es sei immer jemand da – auch nachts.

Aktivitäten werden gemeinsam geplant

Einmal pro Woche besprechen Mieter:innen und Mitarbeiter:innen das Aktivitätenprogramm und den Speiseplan für die folgende Woche. Sogar die Einkäufe werden gemeinsam gemacht – wegen Corona ist das jedoch gerade nicht möglich.

Die meiste Zeit halten sich alle in den großen Wohnküchen auf, denn dort spielt sich das WG-Leben ab. In jeder der drei WGs gibt es diesen Raum. Dort bereiten die Mieter:innen gemeinsam mit den Betreuer:innen die Mahlzeiten zu. Zusammen wird gegessen und selbst beim Abräumen helfen alle mit – jeder, so viel er möchte oder kann. Und wer keine Lust mehr hat, zieht sich in sein Zimmer zurück.

Lücke-Möller ist von dem Konzept überzeugt. „Wir sind eine große Familie und alle per Du.“ Auch die Angehörigen sind mit eingebunden. „Da ruft schon mal eine Tochter unserer Mieter an und fragt, ob sie für uns alle bei ihrem nächsten Besuch Kuchen backen soll“, erzählt sie schmunzelnd.

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Die Senioren-WG plant gemeinsam Aktivitäten: z.B. Kochrunden

Wer kann in die Ambulante Pflege-WG einziehen?

Pflegebedürftige ab 18 Jahren mit einem Pflegegrad von 2 bis 5

Muss ich im Falle einer schweren Pflegebedürftigkeit in ein Pflegeheim ziehen?

Nein. Wer in der WG wohnt, muss nicht mehr ausziehen. Wir arbeiten auch mit Hospiz- und Palliativdiensten zusammen.

Wo kann ich mich über die WG erkundigen?

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