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05 Juni 2018, Menschen bei KORIAN

„Es geht um’s Wohlfühlen und zu-Hause sein“

Martin Grünitz, Regionalleitung Süd-Mitte, im Interview mit dem unabhängigen Verbrauchermagazin Guter Rat über die Veränderungen in der Pflege und die Ansprüche der Bewohner.

In welchem Alter und mit welchem Pflegegrad kommen die meisten Bewohner?

Dank unserer steigenden Lebenserwartung, steigt analog auch das Einzugsalter und liegt heute bei derzeit rund 82 Jahren. Die letzte Pflegereform – PSG II – hat dafür gesorgt, dass Bewohner mit dem Pflegegrad 1 keine Leistungen für die stationäre Versorgung erhalten und die Kosten komplett selbst tragen müssen. Wenn sie zu uns kommen, haben sie dann häufig Pflegegrad 2, allerdings ist der meist nicht realistisch und der Bedarf bereits viel höher, was wir dann mit entsprechenden Höherstufungsanträgen begleiten.

Was sind die Vor- und Nachteile von großen und von kleinen Pflegeheimen?

Das ist im Grunde nicht viel anders als bei einem Ferienhotel: Große Anlagen sind etwas unpersönlicher, bieten aber in der Regel eine größere Auswahl an Räumlichkeiten, Aktivitäten, Möglichkeiten. Eine eigene Maltherapiegruppe oder eine Hundetherapie, Singkreis und Tanzrunde ist in einer sehr kleinen Einrichtung schwer zu etablieren, in großen Häusern gibt es das alles. Übrigens gilt das auch für soziale Kontakte – in größeren Einrichtungen ist die Chance auch größer auf einen Mitbewohner zu treffen, der ein Gleichgesinnter ist. Wen man nicht mag, kann man meiden. Aus fachlicher Sicht, würde ich immer auch daran denken, dass wir in großen Häusern auch mehr Experten und Spezialisten haben. Beim Krankenhaus ist das viel wichtiger und jeder von uns erkundigt sich, wie viele Operationen in dem entsprechenden Gebiet durchgeführt werden. Im engeren Sinne gilt das auch für die Pflege: Eine eigene Demenzstation, einen Wundmanager oder
eine Palliativfachkraft, und ein Snoezelen-Raum – das kann logischerweise in einem kleinen Haus nicht vorgehalten werden, dafür kennt jeder jeden.

Was würde bei Ihnen bei der Heimauswahl den Ausschlag geben, wenn Sie für Ihre Mutter einen Pflegeheimplatz suchen müssten?

Das ist ganz einfach: Meine Mutter würde den Ausschlag geben. Wie schon gesagt, es geht ums Wohlfühlen und zu-Hause sein. Das muss sie erleben und entscheiden.

In welche Richtung geht die Entwicklung, mehr Pflegeheimplätze oder mehr Einrichtungen für betreutes Wohnen?

Ich war lange Jahre Leiter unserer Seniorenresidenz Elisa in Ulm mit hochwertigem Seniorenwohnen, vielfältigem Service-Angebot sowie Ambulantem Dienst, Tagesbetreuung und Stationäre Pflege unter einem Dach. Für mich und zum Glück für unser KORIAN-Netzwerk stellt sich diese Frage daher gar nicht. Wir sehen die Zukunft in genau dieser Angebotsvielfalt und Durchlässigkeit an einem Standort. Wir werden eine ganze Reihe solcher „integrierter“ Projekte in den nächsten Jahren eröffnen – jetzt für eine breite Zielgruppe und nicht mehr fokussiert auf die eher wohlhabenden Menschen, wie das früher der Fall war. Ich habe so oft erlebt, wie dieses Konzept Schicksale erleichtert, Menschen in schwierigen Lagen hilft, weil dann die gesundheitlichen Einbrüche eben nicht automatisch bedeuten, aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen zu werden und soziale Kontakte zu verlieren. Und das ist ein Segen, glauben Sie mir.